19. Februar 2003, Letzte Änderung: 24. August 2009
Die heutige Gesellschaft ist einem ständigen Wandel, einer schnellen Evolution des Wissen unterworfen und mit ihr die Menschen, die Teil dieser Gesellschaft sind. Dieser Wandel verläuft schneller als je zuvor, mit einer riesigen Spannweite und erstaunlicher Unvorhersagbarkeit. Der Mensch der Wissensgesellschaft muss sich also immer weiter bilden. Vorhandenes Wissen wird immer schneller obsolet. Aus dem Bildungsschlagwort »Lernen fürs Leben«, mit dem ich noch aufgewachsen bin, ist längst der Begriff des »lebenslangen Lernens« geworden.
Noch vor etwa 50 Jahren lebte man im Federkissen eines eindimensionalen, auf Kontinuität ausgerichteten Lebenslauf: Schule – Arbeit – Familie – Ruhestand. Dabei hatte der Ruhestand eine andere Qualität als heute. Paul Baltes, Psychologie und Gerontologe am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, schrieb im Jahre 2001:
»Es waren deutlich weniger, die diese Lebensphase erreichten, und die Zeit im Ruhestand war damals kürzer, wie auch der normative gesellschaftliche Druck geringer, aus dieser Lebensphase etwas Produktives zu machen. Der heutige Ruheständler ist damit konfrontiert, diese Lebensphase mit Sinn und Neuem anzufüllen. Auch im Ruhestand gilt es also, nicht nur zu sein, sondern vor allem auch weiterhin zu werden.«
Baltes fragt in diesem Zusammenhang zu Recht:
»Soll der Mensch sich das wirklich antun, sich lebenslang als unfertig zu erleben? Lebenslänglich gefangen im Entwicklungsprozess ohne Ende?«
Dass der Mensch von heute sich ständig unfertig fühlen muss, hängt nicht nur damit zusammen, dass der Zeittakt des Wandels umfassender, alltags- und berufsrelevanter geworden ist. Die Gesellschaft hat sich zu einer globalen entwickelt. Bezog sich der Wettbewerb um den am besten entwickelten und leistungsfähigsten Menschen in der Vergangenheit nur auf ein Dorf, eine Stadt, eine Region oder ein Land, muss sich der ehrgeizige Mensch von heute übernational oder global beweisen und vergleichen. Das fördert den Druck, sich selbst und seine Fähigkeiten ständig zu verbessern, um »kompletter« zu sein als die immer größer werdende Zahl an potentiellen Konkurrenten.
Der Prozess des lebenslangen Lernens erfordern vom heutigen Menschen ganz besondere mentale Fähigkeiten und Charaktereigenschaften. Fachwissen ist zwar wichtig; entscheidend aber ist die Fähigkeit und Bereitschaft, dieses Fachwissen auch effektiv und kreativ in kooperativen Arbeitsprozessen anzuwenden. Nur wer über Eigenschaften wie
- Optimismus,
- positives Denken,
- Offenheit gegenüber dem Neuen,
- persönliche Handlungskontrolle und
- Kommunikationsfähigkeit
verfügt, wird sich in der heutigen Wissensgesellschaft dauerhaft gut positionieren können.