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Farben auf Webseiten

Die Wir­kung von Far­ben auf Print­me­dien wie Zeit­schrif­ten oder Flug­blät­tern ist eine andere als auf dem Bild­schirm. Die grund­le­gen­den phy­si­ka­li­schen und opti­schen Eigen­schaf­ten und das Emp­fin­den von Far­ben an sich sind jedoch die glei­chen. Um sie bes­ser ver­ste­hen und ein­set­zen zu kön­nen, erklärt die­ser Arti­kel Ihnen farb­phy­si­ka­li­sche und -psy­cho­lo­gi­sche Zusam­men­hänge und gibt Ihnen Hin­weise für die Farb­ge­bung Ihrer eige­nen Webseite.

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Die Far­ben­lehre

Erschei­nungs­wei­sen des Lichts

Rot
Orange
Gelb
Grün
Blau
Pur­pur
Vio­lett

Farbe wird sicht­bar bei Beu­gung oder Refle­xion von Licht.

Wird Licht gebeugt, zum Bei­spiel durch ein Prisma, wird es in seine sie­ben Spek­tral­far­ben Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau, Indigo und Vio­lett zer­legt. Die­ses Phä­no­men ist beson­ders ein­drucks­voll bei einem Regen­bo­gen zu beobachten.

Trifft Son­nen­licht auf kör­per­haf­ten Farb­stoff, das soge­nannte Farb­pig­ment, so wird es zurück­ge­wor­fen (reflek­tiert) oder ver­schluckt (absor­biert). Rein wei­ßes Pig­ment wirft alle sie­ben Far­ben des Licht­spek­trums zurück, rein schwar­zes ver­schluckt sie alle. Bun­tes Pig­ment reflek­tiert jeweils nur den als Farbe sicht­ba­ren Teil des Licht­spek­trums und absor­biert alle ande­ren Teile.

Farb­mi­schung

Es kön­nen zwei Arten der Farb­mi­schung unter­schie­den wer­den: die addi­tive Mischung far­bi­gen Lichts und die sub­trak­tive Mischung ver­schie­de­ner Pigmente.

addi­tive Farbmischung


Abb. 1: Farb­kreis mit den Grund­far­ben Rot, Grün und Blau.


Abb. 2: Die addi­tive Farb­mi­schung der drei Grund­far­ben ergibt Weiß.

Dabei han­delt es sich um die opti­sche Mischung von Licht­far­ben. Neben- oder nach­ein­an­der dar­ge­bo­tene Far­ben wer­den im Auge zu einer ein­heit­li­chen Farbe ver­schmol­zen. Vor­aus­set­zung für diese addi­tive Farb­mi­schung ist, dass eine bestimmte Flä­chen­größe nicht über­schrit­ten bzw. eine bestimmte Geschwin­dig­keit der Dar­bie­tung nicht unter­schrit­ten wird. Mit zuneh­men­der Mischung stei­gert sich die Hel­lig­keit der wahr­ge­nom­me­nen Farbe. Die Mischung aller Far­ben (etwa eines roten, eines grü­nen und eines blauen Licht­strahls) ergibt Weiß (siehe Abbil­dung 2).

sub­trak­tive Farbmischung


Abb. 3: Die sub­trak­tive Farb­mi­schung der drei Grund­far­ben ergibt Schwarz.


Abb. 4: Farb­kreis nach Johan­nes Itten mit den Grund­far­ben Rot, Gelb und Blau.

Die sub­trak­tive Farb­mi­schung erfolgt im Gegen­satz zur addi­ti­ven Farb­mi­schung im objek­ti­ven Bereich. Die Mischung kör­per­haf­ter Far­ben (Pig­ment­far­ben wie z.B. Ölfar­ben) ist immer eine sub­trak­tive Mischung. Die drei CMY-Far­ben Cyan, Magenta und Gelb (eng­lisch: Yel­low) las­sen sich nicht durch Mischen her­stel­len; sie wer­den des­halb Pri­mär­far­ben genannt. Alle wei­te­ren Far­ben kön­nen durch Mischung erzeugt wer­den. Das Mischen je zweier Pri­mär­far­ben ergibt die Sekun­där­far­ben Rot (Magenta und Gelb), Grün (Cyan und Gelb) und Blau (Magenta und Cyan). In wei­te­ren Mischun­gen ent­ste­hen die übri­gen Far­ben. Die drei Pri­mär­far­ben zusam­men (etwa Dru­ckert­inte oder fol­gende Ölfar­ben: Cyan­blau, Echt­pur­pur und Chrom­gelb­zi­tron) erge­ben immer Schwarz (siehe Abbil­dung 3).

In der Pra­xis ver­wen­det man das CMYK-Modell, d.h. den drei Grund­far­ben wird Schwarz (eng­lisch: Black) hin­zu­ge­fügt, da rei­ner CMY-Druck in der Druck­pra­xis kein ech­tes, tie­fes Schwarz ergibt.

Der klas­si­sche (Aquarell-)Farbkasten, den wir alle aus der Schule ken­nen, ver­wen­det in Überein­stim­mung mit dem Farb­kreis von Johan­nes Itten (siehe Abbil­dung 4) die Grund­far­ben Rot, Gelb und Blau. Ein sol­cher Farb­kreis wird auch Rot-Gelb-Blau-Farbkreis der Male­rei bezeichnet.

Das Kom­ple­men­tär­ge­setz


Abb. 5: Klatsch­mohn­blüte vor einer grü­nen Wiese.

Beim Betrach­ten einer bestimm­ten Farbe ver­sucht man unwill­kür­lich die abwe­sen­den Far­ben des Licht­spek­trums zu ergän­zen. Im Rot-Gelb-Blau-Farbkreis der Male­rei wird die wahr­ge­nom­mene Pri­mär­farbe Gelb durch Vio­lett (die Mischung der abwe­sen­den Pri­mär­far­ben Rot und Blau) ergänzt, Blau durch Orange (Gelb und Rot) und Rot durch Grün (Gelb und Blau). Umge­kehrt will sich Vio­lett mit Gelb aus­glei­chen, Orange mit Blau und Grün mit Rot. Die genann­ten Far­ben­paare wer­den des­halb Ausgleichs-, Ergänzungs- oder Kom­ple­men­tär­far­ben genannt. In einem kom­ple­men­tä­ren Farb­paar, etwa in Gelb und Vio­lett, sind also jeweils die drei Pri­mär­far­ben Gelb, Rot und Blau ent­hal­ten. Neben­ein­an­der­lie­gende Kom­ple­men­tär­far­ben stei­gern sich gegen­sei­tig; eine grüne Flä­che betont bei­spiels­weise eine neben ihr befind­li­che rote und umge­kehrt (z.B. roter Mohn auf einer saf­tig grü­nen Wiese, siehe Abbil­dung 5).

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Die Farb­psy­cho­lo­gie

Far­ben haben eine bestimmte Wir­kung auf den Men­schen. Far­ben kön­nen Emp­fin­dun­gen anre­gen, die Auf­merk­sam­keit des Betrach­ters erwe­cken, Freude oder Wider­wil­len erre­gen und dadurch eine Web­seite cha­rak­te­ri­sie­ren. Im Gro­ßen und Gan­zen ist die psy­cho­lo­gi­sche Wir­kung von Far­ben auf den Men­schen bekannt.

Die Farb­tem­pe­ra­tur


Abb. 6: Tem­pe­ra­tur­kon­trast zwi­schen Blau­grün und Rotorange.

Eine Farbe wird gefühls­mä­ßig als warm oder kalt emp­fun­den. Am stärks­ten ist der Tem­pe­ra­tur­ge­gen­satz zwi­schen dem kal­ten Blau­grün und dem war­men Roto­r­ange (siehe Abbil­dung 6). Der Tem­pe­ra­tur­ge­gen­satz wird abhän­gig von indi­vi­du­el­ler Erfah­rung, Wahr­neh­mungs­fä­hig­keit und Kul­tur anders emp­fun­den, jedoch hat ein Test an Ver­suchs­per­so­nen gezeigt, dass ein und die­sel­ben Test­per­so­nen die Tem­pe­ra­tur eines blau­grü­nen Rau­mes bei 15 °C als kalt emp­fan­den, eines roto­r­an­ge­nen Rau­mes dage­gen erst bei 11 °C. Warme und kalte Far­ben wecken beim Men­schen ähnlich unter­schied­li­che Stim­mun­gen wie ein Sonnen- und ein Regen­tag: Far­bige Flä­chen in war­men Farb­tö­nen wir­ken anre­gend und akti­vie­rend; kalte Far­ben wir­ken beru­hi­gend und küh­lend; grüne Farb­töne wer­den oft als Aus­gleich bei­der Pole emp­fun­den und wir­ken freund­lich und entspannend.

Raum­wir­kung von Farben

Der Tem­pe­ra­tur der Farbe ent­spricht ihre räum­li­chen Wir­kung: Warme Far­ben schei­nen gegen­über kal­ten her­vor­zu­tre­ten. Kühle Töne wei­chen in die Raum­tiefe zurück. So erscheint Rot dem Betrach­ter näher als Blau. In weit­räu­mi­ger Natur lässt sich ein »Ver­blauen« der Farbe beob­ach­ten. Maler könn­ten dem­ent­spre­chend die Raum­wir­kung eines Bil­des ver­stär­ken, indem sie im Vor­der­grund Rot­töne, im Hin­ter­grund Blau­töne vor­herr­schen lassen.

Die Wir­kung von Farbhelligkeit

Auf den Betrach­ter wir­ken Bild­ele­mente, die in hel­len Far­ben gemalt wur­den, leich­ter als Ele­mente, die über­wie­gend dun­kel gehal­ten sind. Dunkle Far­ben wer­den von Betrach­ter im all­ge­mei­nen als schwer empfunden.

Durch den geziel­ten Ein­satz von Farbe kann der Blick eines Betrach­ters beein­flusst wer­den. Ein Bild­teil, der in hel­len oder hoch­ge­sät­tig­ten Far­ben gemalt wurde, wird bei­spiels­weise län­ger betrach­tet als ein Bild­ele­ment in sehr dunk­len oder nur sehr schwach gesät­tig­ten Far­ben. Signal­far­ben wie zum Bei­spiel leuch­ten­des Rot (man denke an Ret­tungs­fahr­zeuge) len­ken eben­falls den Blick des Betrach­ters auf sich, wie auch auf­fal­lende Hel­lig­keits­un­ter­schiede. Von den meis­ten Men­schen wer­den Objekte in hel­len Far­ben zuerst betrach­tet und erschei­nen des­halb wichtiger.

Farbsym­bo­lik

Sym­bo­lik ist die Wis­sen­schaft von Sym­bo­len oder Zei­chen und deren Ver­wen­dung. Diese hat ent­we­der eine fest­ge­legte Bedeu­tung und wird vom Gegen­über ein­deu­tig ent­schlüs­selt (z.B. Schrift) oder hängt von zum Teil indi­vi­du­el­len auf gesell­schaft­li­cher Prä­gung oder per­sön­li­cher Erfah­rung beru­hen­den Deu­tun­gen ab – die Farbsym­bo­lik gehört zu der zwei­ten Kategorie.

Far­ben wecken Gefühle und Emp­fin­dun­gen und lösen automatisch-unbewusste Reak­tio­nen und Asso­zia­tio­nen aus, die stark vom jewei­li­gen Kon­text oder der Kul­tur und Tra­di­tion eines Lan­des abhän­gig sind. Fol­gende Tabelle habe ich der Seite All­ge­meine Bestim­mung der Asso­zia­tio­nen von Hart­mut Rudolf ent­nom­men. An ihr kön­nen sie gut able­sen, wie unter­schied­lich Far­ben wahr­ge­nom­men wer­den kön­nen. Far­ben gehö­ren zu den wich­tigs­ten Gestal­tungs­in­stru­men­ten, sind jedoch – gerade im Web, wo Web­sei­ten einem inter­na­tio­na­len Publi­kum zugäng­lich sind – mit Bedacht zu ver­wen­den, um nicht unge­wollte Asso­zia­tio­nen beim Betrach­ter zu erwecken.

Tabelle 1: Far­ben und deren Symo­lik und Asso­zia­tio­nen
Farbe Sym­bo­lik und Assoziationen
Blau Blau ist mit Abstand die belieb­teste Farbe, sowohl bei Frauen als auch bei Män­nern. Sie wird mit vie­len posi­ti­ven Eigen­schaf­ten asso­zi­iert: Sym­pa­thie, Har­mo­nie, Freund­lich­keit, Freund­schaft. Blau ist die Farbe der Ferne, der Weite und der Unend­lich­keit. Blau ist die Farbe des Ver­trau­ens und der Ver­läß­lich­keit. Blau ist still und ent­span­nend, Grün eher ruhig und erholsam.
Rot »Rot« ist die älteste Farb­be­zeich­nung über­haupt. Sie ist die zweit­be­lieb­teste Farbe mit glei­chem Anteil bei Frauen und bei Män­nern. Rot kreist um die Asso­zia­ti­ons­be­rei­che »Blut« und »Feuer«. Blut: Lei­den­schaft (Liebe, Haß), Auf­re­gung, Impul­si­vi­tät, Wut/Zorn (beson­ders in der Kom­bi­na­tion mit Schwarz), Sexua­li­tät, Ero­tik. Feuer: Hitze, Wärme. Rot ist eine sehr nahe und dyna­mi­sche Farbe.
Grün Die Farbe der Natur und des Lebens. Früh­ling, Hoff­nung, begin­nende Liebe. Beru­hi­gende Mitte. Die herbe Fri­sche: frisch, herb, sauer, bit­ter. Gesund, aber auch unreif.
Schwarz Nega­tive Gefühle: Trauer, Ein­sam­keit (aller­dings nur in ganz bestimm­ten Kul­tu­ren, wie z.B. der Euro­päi­schen). Aber auch: Ele­ganz ohne Risiko. Modern, sach­lich, ein­deu­tig, funk­tio­nal. Schwarz pola­ri­siert: Bei vie­len Men­schen ist es sehr beliebt, bei vie­len stößt es auf strikte Ablehnung.
Rosa Zärt­lich, zart, kind­lich, süß, kitschig.
Gelb Sonne, Licht, Wärme (schwä­cher als Rot), sauer.
Weiß Voll­kom­men, ideal, gut, sach­lich, klar, unschul­dig, ehrlich.
Vio­lett Magie, Geheim­nis, Deka­denz, Zweideutigkeit.
Gold Edel, vor­nehm, pracht­voll. Eher warm.
Sil­ber Gedie­gen, edel. Nicht so ver­braucht wie Gold. Eher kühl.

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Anwen­dung bei der Erstel­lung von Webseiten

RGB- und hexa­de­zi­male Werte

Die Farb­mi­schung des Moni­tors ist eine addi­tive. Ein Moni­tor arbei­tet mit drei Spek­tral­far­ben: Rot, Grün und Blau. Jeder Pixel der Desk­top­f­lä­che kann in einer der drei Spek­tral­far­ben leuch­ten. Die ein­zel­nen Pixel neh­men Sie jedoch nicht mehr wahr, da sie klein genug sind, um sich optisch zu ver­mi­schen, sodass unter­schied­li­che Far­ben und Hel­lig­kei­ten wahr­ge­nom­men werden.

Nun erscheint auch die Farban­gabe in XHTML oder CSS bei der Ver­wen­dung von RGB- oder hexa­de­zi­ma­len Wer­ten logisch: RGB-Werte set­zen sich Rot-, Grün- und Blau­an­tei­len zusam­men. Pro Kanal sind 256 Werte mög­lich (0 - 255). So ergibt die CSS-Dekla­ra­tion color: rgb(255,0,0) ein rei­nes Rot. Tei­len Sie jedem Kanal den höchs­ten Wert zu (jeweils 255) erhal­ten Sie die Farbe Weiß.

Hexa­de­zi­male Werte haben nicht nur die zehn Zif­fern des Dezi­mal­sys­tems, son­dern beste­hen aus 16 Zif­fern. Zusätz­lich zu den Zif­fern 0 bis 9 gibt es hier noch die Zif­fern A bis F, was im den dezi­ma­len Zah­len 10 bis 15 ent­spricht. So wird aus der Dezi­mal­zahl 255 die Hexa­de­zi­mal­zahl FF. Diese Umrech­nung ist gewöh­nungs­be­dürf­tig.
Eine Angabe wie bei­spiels­weise #FFFFFF bedeu­tet nichts ande­res als FF Anteile Rot, FF Anteile Grün und FF Anteile Blau; sie ergibt folg­lich ein rei­nes Weiß.

Kri­te­rien zur Farbwahl

Die Far­ben, die Sie für Ihre Web­seite wäh­len, haben sehr viel mit dem Inhalt Ihrer Web­seite zu tun. Sie müs­sen sich fragen:

Soll das Design der Web­seite im Vor­der­grund ste­hen oder soll Infor­ma­tion prä­sen­tiert werden?
Wenn das DesignIhrer Web­seite im Vor­der­grund steht, sind Ihnen bei der Gestal­tung der Sei­ten kaum Gren­zen gesetzt. Sie kön­nen jede Tech­nik, jedes Lay­out und jede Farbe ein­set­zen, die Ihnen gefällt. Beden­ken Sie jedoch, dass jedes Fea­ture und jedes benö­tigte Plu­gin poten­ti­elle Besu­cher aus­schließt. Sie müs­sen hier abwä­gen zwi­schen einer über­zeu­gen­den Design­stu­die und einer gut zugäng­li­chen Seite und einen guten Mit­tel­weg finden.Wenn jedoch der Inhalt Ihrer Seite im Vor­der­grund ste­hen soll, Sie also Infor­ma­tio­nen trans­por­tie­ren und zugäng­lich machen wol­len, gibt es wesent­lich mehr Dinge zu beach­ten, vor allem auch bezüg­lich der Farb­ge­bung Ihrer Web­seite. Dar­auf gehe ich spä­ter noch genauer ein.
Für wen ist meine Web­seite bestimmt? Wen möchte ich beson­ders ansprechen?
Womög­lich haben Sie für Ihre Web­seite einen enge­ren Besu­cher­kreis aus­ge­macht und möch­ten das Lay­out und die Farb­ge­bung auf die­sen »Ide­al­nut­zer« abstim­men. Bitte lesen Sie dazu den Arti­kel Ziel­grup­pen­ge­rechte Gestal­tung von Maik Bisch­off. Auch für die Farb­ge­bung gilt, was er in die­sem Arti­kel aus­ge­führt hat.
Möchte ich ein Pro­dukt an den Mann brin­gen? Muss ich mich an Firmen- oder Pro­dukt­far­ben orientieren?
Ist es Ihre Auf­gabe, ein Unter­neh­men oder ein Pro­dukt zu prä­sen­tie­ren oder Infor­ma­tio­nen dar­über bereit zu stel­len, müs­sen Sie einen Weg fin­den, die Cor­po­rate Iden­tity Ihres Unter­neh­mens zu wah­ren, aber trotz­dem die Farb­ge­bung nach den Gedan­ken der Zugäng­lich­keit zu fin­den. Zumeist las­sen sich vor­han­dene Far­ben sehr gut in eine Web­seite inte­grie­ren ohne dass sie Zugäng­lich­keits­richt­li­nien ent­ge­gen lau­fen würde.

Die Web­seite als Designstudie

Eine Web­seite als Design­stu­die gibt Ihnen Gele­gen­heit, sich frei zu ent­fal­ten. Sie kön­nen sowohl schwar­zen oder dunk­len, als auch wei­ßen oder hel­len Hin­ter­grund ein­set­zen, je nach­dem wie Ihre Seite auf den Betrach­ter wir­ken soll. Schwar­zer Hin­ter­grund, Grau- und Blau­töne erschei­nen edel, grelle Far­ben oder moderne Töne wir­ken »pop­pig«, jugend­lich und locker. In jedem Fall müs­sen Sie viel expe­ri­men­tie­ren und die Wir­kung Ihrer Seite genau stu­die­ren. Schnell kann aus einem edlen Look ein lang­wei­li­ges und tris­tes Einer­lei, aus einer bun­ten pop­pi­gen Seite ein grel­ler Kitsch wer­den. Bitte schät­zen Sie jedoch genau ein, in wel­chem Umfang und für wel­che Benut­zer­a­gen­ten (Brow­ser) Ihre Seite zugäng­lich sein soll, denn zumeist sind gerade beson­ders desi­gno­ri­en­tierte Sei­ten die­je­ni­gen, die einen gro­ßen Besu­cher­kreis mit älte­ren Brow­sern ausschließen.

In jedem Fall soll­ten Sie sich fra­gen, wel­chen Zweck eine rein desi­gno­ri­en­tierte Seite erfül­len soll. Wie oft besu­chen Sie eine Design­stu­die ohne Inhalt, bevor Sie Ihnen lang­wei­lig gewor­den ist?

Die Web­seite als Informationsquelle

Soll dage­gen der Inhalt einer Seite (»Con­tent«) im Vor­der­grund ste­hen, soll­ten Sie die­sen auch beson­ders her­vor­he­ben und des­sen Zugäng­lich­keit durch das Design und die Farb­ge­bung der Seite nicht behindern.

Benut­zen Sie dunkle Schrift auf auf einem hel­len Hintergrund!
Ein hel­les aber nicht grel­les Gelb als Hin­ter­grund­farbe ist zum Bei­spiel sehr geeig­net für das Lesen am Bildschirm.
Sor­gen Sie dafür, dass das Auge nicht abge­lenkt wird!
Beim Lesen eines Tex­tes ist es wich­tig, dass das Auge sich auf den Text kon­zen­trie­ren kann. Stör­fak­to­ren, die das Auge ablen­ken, kön­nen ani­mierte Gra­fi­ken, Flash-Animationen aber auch zu grelle Far­ben sein.
Cha­rak­te­ri­sie­ren Sie Ihre Web­seite durch eine durch­dachte Farbgebung!
Ver­wen­den Sie ruhige, leise Far­ben, die in den Hin­ter­grund tre­ten aber Ihre Seite trotz­dem wir­kungs­voll in unter­schied­li­che Berei­che wie zum Bei­spiel Navi­ga­tion, Logo, Inhalt und so wei­ter auf­tei­len. Pas­tell­far­ben erwei­sen sich da als sehr geeig­net, es kön­nen aber auch gedeckte Töne sein, die nicht all­zu­sehr ins Auge ste­chen wie zum Bei­spiel Ocker oder Graublau.
Arbei­ten Sie mit war­men und kal­ten Far­ben, um den Con­text der Seite deut­li­cher zu ver­mit­teln oder eine bestimmte Stim­mung beim Betrach­ter aufzubauen!
So soll­ten Sie auf kalte Far­ben ver­zich­ten, wenn Sie eine Seite für ein Son­nen­stu­dio gestal­ten wollen.
Set­zen Sie die Tiefen- und Signal­wir­kung von Far­ben ein, um Ele­mente her­vor­zu­he­ben oder in den Bild­hin­ter­grund abzurücken!
So kön­nen Sie Sie dem Betrach­ter eine Hier­ar­chie der ein­zel­nen Sei­ten­ele­mente vermitten.
Benut­zen Sie Kom­ple­men­tär­kon­traste, um Ele­mente von­ein­an­der abzugrenzen!
Ver­su­chen Sie dar­auf zu ach­ten, dass das Auge weder durch Über­stra­pa­ziert­heit noch durch Lang­weile ermü­det wird, wenn ein Besu­cher lange auf Ihrer Web­seite verweilt.

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Farb­fehl­sich­tig­keit

Das Son­nen­licht besteht aus elek­tro­ma­gne­ti­schen Wel­len unter­schied­li­cher Wel­len­län­gen. Die Netz­haut des mensch­li­chen Auges ent­hält nor­ma­ler­weise drei Zapf­en­ty­pen, die Licht unter­schied­li­cher Wel­len­länge auf­neh­men und verarbeiten.

  • L-Typ (rote Zap­fen) für lange Wellenlängen
  • M-Typ (grüne Zap­fen) für mitt­lere Wellenlängen
  • S-Typ (blaue Zap­fen) für kurze Wellenlängen

An den Rän­dern der Zap­fen befin­den sich zusätz­lich Rezep­to­ren (»Stäb­chen«) für die Unter­schei­dung von Hell und Dunkel.

Bei eini­gen Men­schen ist die Funk­tion der Zap­fen ein­ge­schränkt, wodurch es zu Far­ben­fehl­sich­tig­keit, im Volks­mund »Far­ben­blind­heit« genannt, kommt. Man unter­schei­det dabei zwischen

  • tota­ler Far­ben­blind­heit (Achro­ma­t­op­sie) und
  • par­ti­el­ler Far­ben­blind­heit (Dichro­ma­t­op­sie), auch »Zwei­far­bense­hen« genannt.

Totale Far­ben­blind­heit

Der Begriff Achro­ma­t­op­sie lei­tet aus dem Grie­chi­schen ab: achro­ma­tos bedeu­tet auf Deutsch »farb­los«, opsis bedeu­tet »sehen«. Die totale Far­ben­blind­heit ist eine sehr sel­tene ver­erbte Erkran­kung der Netz­haut. Bei den Far­ben­blin­den (Achro­ma­ten) ist das Farb­se­hen durch einen Defekt der Zap­fen in der Netz­haut aus­ge­fal­len. Bei Far­ben­blin­den exis­tie­ren nur die Stäb­chen in der Netz­haut, die für das Schwarz-Weiß-Sehen, also das Sehen in der Däm­me­rung ver­ant­wort­lich sind. Far­ben­blinde Men­schen kön­nen Objekte nur schwer aus­ein­an­der hal­ten, wenn diese sich nur in Ihrer Farbe, nicht aber in Ihrer Hel­lig­keit unterscheiden.

Par­ti­elle Farbenblindheit

Bei der Dichro­ma­t­op­sie sind nur zwei Zap­fen­ar­ten aktiv, die Betrof­fe­nen kön­nen also eine der drei Grund­far­ben nicht wahr­neh­men. Her­vor­ge­ru­fen wird diese Behin­de­rung durch Ver­än­de­rung der Ami­no­säu­re­se­quenz in den Sehpigment-Proteinen der ent­spre­chen­den Zap­fen, die aus der Ver­än­de­rung der Gen­se­quenz des ent­spre­chen­den Pro­te­ins resul­tiert. Par­ti­elle Far­ben­blind­heit ist immer ange­bo­ren und ver­stärkt oder ver­min­dert sich im Laufe der Zeit nicht. Von ihr sind ca. 8 Pro­zent aller Män­ner und ca. 0,4 Pro­zent der Frauen betrof­fen. Man unter­schei­det zwischen

  • Blaublind­heit (auch »Blau-Gelb-Blindheit« genannt) und
  • Rot-Grün-Blindheit.

Die Blaublind­heit (Tri­ta­no­pie) ist die sel­tenste par­ti­elle Far­ben­blind­heit. Blaublinde Per­so­nen besit­zen kein Far­b­emp­fin­den im kurz­wel­li­gen Bereich und haben Schwie­rig­kei­ten, Blau und Grün sowie Gelb­grün und Grau von­ein­an­der zu unterscheiden.


Abb. 7: Klas­si­scher Far­benseh­test: Eine 8 für Nor­mal­sich­tige, eine 3 für Rot-Grün-Blinde.

Bei der Rot-Grün-Blindheit gibt es zwei Aus­prä­gun­gen: Men­schen, die an Rot­blind­heit (Pro­ta­no­pie) lei­den, kön­nen lang­wel­li­ges Licht nicht wahr­neh­men, bei Men­schen mit Grün­blind­heit (Deu­ter­a­no­pie) funk­tio­nie­ren die Zap­fen für mit­tel­wel­li­ges Licht nicht. Dar­aus resul­tiert feh­lende Dif­fe­ren­zier­bar­keit der Far­ben Rot, Gelb, Braun und Grün (siehe Abbil­dung 7). Eben­falls kön­nen Vio­lett und Blau nicht von­ein­an­der unter­schie­den werden.

Falls die ent­spre­chen­den Zap­fen zwar vor­han­den, jedoch dege­ne­riert sind und daher Ver­än­de­run­gen im Absorp­ti­ons­spek­trum besit­zen, spricht man von Blau­schwä­che (Tri­ta­no­ma­lie), Rot­schwä­che (Pro­ta­no­ma­lie) bzw. Grün­schwä­che (Deu­ter­a­no­ma­lie). Bei Far­ba­no­ma­lien kön­nen Far­ben im Gegen­satz zur Far­ben­blind­heit unter­schie­den wer­den, aller­dings tritt eine Ver­fäl­schung der Far­ben auf.

Auf der Web­site www​.ich​bin​far​ben​blind​.de kön­nen Sie ver­glei­chen, wie Far­ben­blinde und Nicht­far­ben­blinde das glei­che Bild sehen. Sol­che Tests am Bild­schirm sind natür­lich nicht zu 100 Pro­zent aus­sa­ge­kräf­tig, aber soll­ten Sie wirk­lich in Ihrem Farb­se­hen ein­ge­schränkt sein, was ich Ihnen nicht wün­sche, dann wer­den Sie das sicher­lich bemer­ken und soll­ten sich an einem rich­ti­gen Seh­test versuchen.

Kon­se­quen­zen für das Webdesign

In der W3C-Emp­feh­lung Zugän­gig­keits­richt­li­nien für Webin­halte wer­den Emp­feh­lun­gen aus­ge­spro­chen, wie mul­ti­me­diale Inhalte im Web für alle Men­schen zugäng­lich gemacht wer­den kön­nen. In Abschnitt 6.2 wird dar­auf hin­ge­wie­sen, dass Web­sei­ten auch dann noch zugäng­lich und ver­ständ­lich sein müs­sen, wenn sie ohne Farbe betrach­tet werden:

»Wenn Farbe allein als Trä­ger von Infor­ma­tion benutzt wird, kön­nen Men­schen, die bestimmte Far­ben nicht unter­schei­den kön­nen und Benut­zer von Gerä­ten ohne Farbe oder mit nicht­vi­su­el­ler Anzeige die Infor­ma­tion nicht wahr­neh­men. Wenn Vordergrund- und Hin­ter­grund­farbe sich im Farb­ton zu sehr ähneln, haben sie unter Umstän­den zu wenig Kon­trast, wenn sie mit Schwarzweiß-Monitoren oder von Men­schen mit ver­schie­de­nen Arten von Far­ben­schwä­che betrach­tet werden.«

Die Bar­rie­re­freie Informationstechnik-Verordnung, Grund­lage des bar­rie­re­freien Web­de­sign in Deutsch­land und die ver­bind­li­che Rechts­ver­ord­nung zu § 11 Behin­der­tengleich­stel­lungs­ge­setz, for­mu­liert in Anfor­de­rung 2:

»Texte und Gra­phi­ken müs­sen auch dann ver­ständ­lich sein, wenn sie ohne Farbe betrach­tet werden.«

Bedin­gung 2.1 prä­zi­siert diese Anfor­de­rung wie folgt:

»Alle mit Farbe dar­ge­stell­ten Infor­ma­tio­nen müs­sen auch ohne Farbe ver­füg­bar sein, z.B. durch den Kon­text oder die hier­für vor­ge­se­he­nen Ele­mente der ver­wen­de­ten Markup-Sprache.«

Dies soll­ten Sie beach­ten, wenn Sie Ihre Web­seite entwerfen.

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