Zielgruppengerechte Gestaltung (Gastartikel)

Sehr oft ist bei Diskussionen zwischen Webautoren der Verweis auf die potenzielle Zielgruppe zu hören, die dann angeblich den einen oder anderen »Gimmick« nicht missen will, die garantiert mit einem bestimmten Browser daherkommt, die in ihrem vollen Umfang die gleiche Auflösung/Monitorgröße/Fenstergröße benutzt und auch sonst genau auf die Spielereien gewartet hat, die der jeweilige Autor in seinen Dokumenten verwendet.

Letztendlich lässt sich jedoch immer wieder feststellen, dass es die eigentliche Zielgruppe nicht gibt und auch nicht geben kann. Das Medium World Wide Web ist einfach zu groß und stets in Wandlung befindlich, als dass sich derart konkrete Aussagen treffen lassen. Die einzige Möglichkeit grober Trennung findet sich im Verhalten der einzelnen Internetnutzer.

Autor: Maik Bischoff


Internetnutzer und themengerechte Informationsaufbereitung

Als Hauptziel eines »Internetsurfers« kann in erster Linie das Auffinden bestimmter Informationen zu einzelnen Themen betrachtet werden. Dieses, oft durch gezielte Suche unterstützte, Verhalten gibt die ersten Richtlinien zur Gestaltung eines Internetangebotes.

Bereits durch den Content, also den Inhalt eines Angebotes, wird die Form bestimmt. So sollten Unterschiede zwischen technischen Erklärungen, wissenschaftlichen Ausarbeitungen oder rein privaten Auftritten im Internet gemacht werden.

Soll es sich also, um bei den genannten Beispielen zu bleiben, z.B. um eine wissenschaftliche Ausarbeitung handeln, sollte eben der nüchtern/sachliche Aspekt des Inhaltes den Hauptausschlag für die äußere Form der Website bestimmen. Schnelle und übersichtliche Navigationsmöglichkeiten, die mit wenigen Klicks zum Ziel führen und lesbare Dokumente, die auch in gedruckter Form vernünftig erscheinen, sollten hier den Vorrang bekommen.

Die private Homepage hingegen wird eher beim wahllosen Surfen gefunden und soll etwas über die Persönlichkeit ihres Besitzers aussagen. Auch der potenzielle Besucherkreis dürfte eher im privaten Bereich zu finden sein, so das hier die Erwartungen gegenüber dem Angebot ganz anders angesetzt werden. Es werden Seiten erwartet, die wirklich etwas fürs Auge bieten. Aber auch hier darf der Gesichtspunkt der Funktionalität und Brauchbarkeit keineswegs außer Acht gelassen werden, ein Fehler der zu Zeiten von »Jetzt klick ich mal eben eine Homepage zusammen«-Editoren nur allzuoft gemacht wird.

In beiden hier gegebenen Beispielen werden völlig unterschiedliche Wege der Gestaltung eingeschlagen, jeweils dem Zweck des Angebotes angepasst. Was aber sollten beide Varianten stets gemeinsam haben?

Das Ziel, wiederkehrende Besucher zu haben, hängt – wie bereits erwähnt – immer vom Informationsgehalt der Site ab. Neben dem Informationsgehalt sollte allerdings auch die Komptenz des Betreibers der Seiten dokumentiert sein. Somit wird klar, das die Kopplung von Form und Inhalt eines der wesentlichen Mittel ist, objektive, aktuelle und fundierte Informationen durch gestalterische Mittel so zu verpacken, das sich der potenzielle Besucherkreis problemlos zurechtfinden kann bzw. seine Vorstellungen guter Information verwirklicht sieht.

Hindernisse und daraus resultierende Kompromisse

Wie sollte es auch anders sein, bringt eine zielgruppengerechte Gestaltung allerdings auch einige Nachteile mit. So sollte es schließlich das Ziel eines jeden sein, die Informationen seiner Seiten jedem Besucher zugänglich zu machen. Und bereits hier wird die volle Ausschöpfung herkömmlicher, gestalterischer Mittel eingegrenzt. Nicht jeder Besucher benutzt einen Benutzeragenten, der in der Lage ist, alle bisher oft verwendeten Effekte zu nutzen.

Umdenken ist nötig, ebenso wie der Verzicht auf bisher genutzte Techniken und der direkte Weg zum Grundgedanken von HTML.

Hier gilt es, stets einen Kompromiss aus Gestaltung und Zugänglichkeit zu finden. Allein durch gültiges HTML und den Verzicht auf proprietäre Elemente lässt sich bereits eine der größten Hürden der Zugänglichkeit nehmen. Zwar macht es gerade bei ausgefeilten, komplizierten Designs eine ganze Menge Mehrarbeit aus, alle Dokumente trotz optischer Feuerwerke auch unter Minimalbedingungen übersichtlich und lesbar zu halten, jedoch sollte gerade dies das Ziel eines jeden Webdesigners/-autors sein.

Über den Autor

Maik Bischoff ist Feuerwehrbeamter bei der Berliner Feuerwehr. Gänzlich nebenbei als Hobby beschäftigt er sich mit dem Thema Webentwicklung. Dieser Artikel entstand für das Projekt »MyWebResource.de«, eine deutschsprachige Website für Webmaster und Webautoren, die im Dezember 2005 eingestellt wurde. Der Artikel findet nun hier sein neues Zuhause.

Kommentare und Korrekturen richten Sie bitte direkt an den Autor.

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