Wahrnehmungs- und Aufmerksamkeitskarten von GoodGaze
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Vor einigen Tagen wurde ich auf das Analysewerkzeug GoodGaze aufmerksam. Dabei handelt es sich um ein Forschungsprojekt der Universität Osnabrück, das Erkenntnisse aus der Hirnforschung dazu verwendet, menschliches Blickverhalten mit dem Computer nachzuahmen. Die Wissenschaftler um Prof. Dr. Peter König kombinieren dazu neurowissenschaftliche Erkenntnisse über die visuelle Verarbeitung im Gehirn und Methoden des maschinellen Lernens. Das scheint so gut zu funktionieren, dass GoodGaze Folgendes verspricht:
»GoodGaze sagt voraus, worauf Menschen bei Ihren Websites achten werden. Vom ersten Entwurf an. Von jedem Computer. In wenigen Sekunden.«
Derzeit läuft GoodGaze in einer geschlossenen Betaphase, an der nur derjenige als Tester teilnehmen darf, der dafür 150,00 EUR berappt –an anderer Stelle wurde dieses merkwürdige Gebahren bereits an den Pranger gestellt. Wer, wie ich, eine freundliche E-Mail an service@goodgaze.de schreibt und um die Prüfung einer oder mehrerer Websites bitte, der bekommt zumindest einen kleinen Einblick gratis.
Abbildung 1 zeigt die generierte Aufmerksamkeitskarte, auf der zu erkennen ist, welche Bereiche der Seite am aufmersamkeitsstärksten (rot gefärbt) bzw. -schwächsten (blau gefärbt) sind. Auf Abbildung 2 sehen Sie die Wahrnehmungskarte, die visualisiert, welche Bereiche ein Nutzer innerhalb der ersten Sekunde wahrnimmt; je dunkler der Bereich, desto wahrscheinlicher, dass Nutzer die dort befindlichen Inhalte übersehen.
Ich muss gestehen, dass die Grafiken beeindruckend aussehen. Aber ich frage mal in die Runde: Überraschen die Ergebnisse irgend jemanden? Ich habe das Gefühl, genau das zu sehen, was ich erwartet habe (was natürlich für das Analysewerkzeug sprechen könnte).
Die aufälligsten Elemente meiner Startseite sind die Illustration des Teasers auf meine Einführung sowie der rote Bereich rechts in der Seitenleiste, in dem üblicherweise die Zusammenfassungen stehen. Auch Icons fallen GoodGaze sehr »ins Auge«, vielleicht etwas mehr, als ich es erwartet hätte. Überschriften gehen ein wenig unter, aber um dies zu beurteilen, müsste man sich weitere Ergebnisse anschauen, auch von Unterseiten. Neben Weißräumen (leeren Flächen) fallen Fließtexte am wenigsten ins Auge. Nun, wir wissen ja alle, dass im Web niemand wirklich etwas ließt.
Ich habe ebenfalls nach einer Analyse meiner Mikroformate-Website gebeten, aber noch keine Antwort erhalten. Vielleicht gibt es ja pro Person nur einen Test gratis?
In diesem Zusammenhang möchte ich übrigens auf den kostenlosen Service Feng-GUI aufmerksam machen, der Ergebnisse eines Eye-Tracking-Tests simuliert. Die Ergebnisse kommen mir weder besser, noch schlechter vor als die von GoodGaze, wenngleich ich sagen muss, dass die Grafiken, die GoodGaze produziert, besser aussehen.

