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Blättern oder Scrollen? Die ganze Seite oder nur den Content?

Vor eini­gen Tagen erhielt ich eine E-Mail eines Lesers mei­ner Web­site, in der er mir fol­gende Frage stellte:

Ihre Sei­ten (und viele andere derer, die sich mit der »rei­nen Lehre« befas­sen), sind so gestal­tet, dass man beim Lesen sehr viel scrol­len muss und dadurch der Kopf­be­reich, die Navi­ga­tion und das ganze schöne Design ver­schwin­den. Dafür gibt es dann die Links »zum Sei­ten­an­fang«. Ich per­sön­lich finde das nicht ganz so ange­nehm. Mir gefal­len Sei­ten, bei denen man mög­lichst alles auf einen Blick sieht. Ihre Art der Gestal­tung scheint mir aber kein Zufall zu sein. Gibt es einen Vor­teil, der mir nicht auf­ge­fal­len ist?

Das ist eine inter­es­sante Frage, denn sie lässt sich auf zwei unter­schied­li­che Arten interpretieren.

Blät­tern oder Scrollen?

Wer nicht möchte, dass seine Leser sehr lange Sei­ten scrol­len müs­sen, der kann den Inhalt auf meh­rere Sei­ten auf­tei­len und eine Blättern-Navigation ein­rich­ten, damit der Leser von einer Seite zur nächs­ten gelan­gen kann. Bei­des hat Vor- und Nach­teile, wobei mei­ner Ansicht nach die Vor­teile des Scrol­lens über­wie­gen. Dazu gehö­ren die bes­sere Über­sicht­lich­keit des Tex­tes, d.h. die Mög­lich­kei­ten, ihn zu »scan­nen« und quer­zu­le­sen, sowie die Tat­sa­che, dass er sich leich­ter aus­dru­cken lässt bzw. keine zusätz­li­che Druck­ver­sion not­wen­dig ist.

Ich halte es also wie Tho­mas Wirth, der in sei­nem Arti­kel Scrol­len oder nicht scrol­len Pro und Kon­tra gegen­über stellt und zu dem Fazit gelangt: »Scrol­len ist okay, wenn man etwas zu sagen hat.«

Es gibt aber noch fol­gen­den Aspekt zu diskutieren:

Die ganze Seite Scrol­len oder nur den Content?

Die CSS-Eigenschaft overflow ermög­licht es, Ele­mente scroll­bar zu machen. Somit könnte der Inhalt auf eine Maxi­mal­höhe begrenzt und Roll­bal­ken ange­zeigt wer­den, sobald sie not­wen­dig sind. Der ein­fa­che Aus­druck wäre auch hier gege­ben, ebenso die Über­sicht­lich­keit, wenn die Maxi­mal­höhe aus­rei­chend ist. Oft­mals ist sie dies jedoch nicht, sodass der Nut­zer den Con­tent wie durch ein zu klei­nes Fens­ter betrach­ten muss. Aber selbst, wenn der Screen­de­si­gner dies gut gelöst hat, bleibt ein gra­vie­ren­der Nach­teil beste­hen, denn ich frage mal zurück: Wel­chen Vor­teil hat es denn, wenn alle ande­ren Ele­mente wei­ter­hin im Blick­feld bleiben?

Mei­ner Ansicht nach len­ken Desi­gnele­mente, Navi­ga­tio­nen und Mar­gi­na­lien vom eigent­li­chen Inhalt ab. Wenn der Nut­zer den Text ange­le­sen hat und ihn inter­es­sant genug fin­det, um ihn zu Ende oder zumin­dest wei­ter lesen zu wol­len, dann sind alle ande­ren Ele­mente auf der Web­site in die­sem Moment nicht rele­vant. Das ist übri­gens auch der Grund, wes­halb Online-Shops wie Ama­zon alles aus­blen­det, was den Nut­zer vom Kauf­vor­gang abhal­ten könnte, sobald er die­sen ein­ge­lei­tet hat und zur Kasse geht.

Ich habe mich daher ganz klar dafür ent­schie­den, Inhalte auf eine lange, scroll­bare Sei­ten zu brin­gen und nur dann zu unter­tei­len, wenn es the­ma­tisch sinn­voll ist.

Wie sehen Sie das?

16 Kommentare

  1. Da ich mich eher als _Leser_ und weni­ger als Betrach­ter der Web­seite sehe gebe ich dem Inhalt und dem Lese­fluss den Vorzug.

    Und vom Stand­punkt des Autors und Admi­nis­tra­tors ist der Auf­wand für Erstel­lung und War­tung sowohl für die Mehr-Seiten-Lösung als auch die overflow-Lösung (IE-Macken) grö­ßer und damit teurer.

  2. Durch die Ver­wen­dung von overflow:scroll quasi fix posi­tio­nierte Ele­mente (z.B. Hea­der) sind mir per­sön­lich ein Graus. Sie bie­ten kei­nen Mehr­wert und zwin­gen den Nut­zer, einen Teil sei­nes View­ports für nicht unbe­dingt not­wen­di­gen Inhalt abzu­schrei­ben.
    Ich habe den Ein­druck, dass Kun­den, die so ein Fea­ture wün­schen, sich die­ses Fens­ter­ver­hal­ten von Appli­ka­tio­nen wie Word abgu­cken. Denn dort sind die Werk­zeug­leis­ten stets ver­füg­bar, schließ­lich muss zu jedem Moment der Inhalt mit­hilfe der Tool­bars mani­pu­liert wer­den kön­nen. Bei Web­sei­ten hin­ge­gen ist die Not­wen­dig­keit einer stets ver­füg­ba­ren Navi­ga­ti­ons­leiste frag­wür­dig (gerade, wenn man sich eh auf das Lesen des Tex­tes kon­zen­triert). Viel wich­ti­ger ist m.E. zum rich­ti­gen Zeit­punkt (am rich­ti­gen Ort) sin­nige Navi­ga­ti­ons­an­ker zu setzen.

  3. Es gibt noch einen wei­te­ren, für mich auch eher nich­ti­gen, Grund, warum "Kun­den" feste Ele­mente haben wol­len. Sie haben diese Ele­mente ja bezahlt, legen nicht sel­ten mehr Wert­schät­zung in deren Aus­ar­bei­tung wie am eigent­li­chen Inhalt, der, wenn er über­haupt wech­selt, von nie­de­ren Ange­stell­ten erstellt wer­den.… dann wol­len die das auch immer sehen, weil sie mei­nen, den Besu­chern würde ob der tol­len krea­ti­ven (rein­zere­de­ten) Leis­tung eh Augen und Ohren über­ge­hen vor Freude.

  4. wie Chrä­cker im Prin­zip schon sagte:
    Der Kunde (der die Site bezahlt hat) ist nicht der Nutzer/Leser der Site. Der bezahlt habende Kunde will immer wie­der "das" sehen, wofür er sein Geld hin­ge­legt hat, und wo er seine geballte Krea­ti­vi­tät ein­ge­bracht hat. Das "das" ist aber zum gro­ßen Teil das, was beim Scrol­len ver­schwin­det - Navi­ga­tion, Hea­der­bild usw.
    Die Mei­nung des Nut­zers, des Lesers, wird in der Regel nicht ver­nom­men, sofern nicht sau­bere Usability-Tests durch­ge­führt werden.

  5. Ich fänds ange­nehm, wenn das Inhalts­ver­zeich­nis rechts mit­scrol­len würde, aber den Sei­ten­kopf würde mir zu viel Platz wegnehmen.

  6. PS. als ich mich noch mit Kun­den her­um­schla­gen durfte, inzwi­schen wei­gere ich mich ein­fach und erstelle keine Sei­ten mehr für Kun­den, war einer mei­ner ers­ten Sätze beim ers­ten Gespräch immer: "die Seite, die wir erstel­len, muß nicht Ihnen gefal­len." - dar­auf gin­gen in der Tat mehr Kun­den nach anfäng­li­chem zucken ein, als man meint.

  7. Bei overflow:scroll habe ich immer wie­der Pro­bleme mit dem sei­ten­wei­sen Wei­ter­blät­tern mit der Leertaste.

    Noch ein Link zu Test­er­geb­nis­sen: The myth of the page fold: evi­dence from user tes­ting
    »As web pro­fes­sio­nals, we all know that the con­cept of the page fold being an impe­ne­tra­ble bar­rier for users is a myth. Over the last 6 years we’ve wat­ched over 800 user tes­ting ses­si­ons bet­ween us and on only 3 occa­si­ons have we seen the page fold as a bar­rier to users get­ting to the con­tent they want.«

  8. Bei navi­ga­ti­ons­las­ti­gen Sei­ten kann es schon hilf­reich sein, wenn die Navi­ga­ti­ons­leiste immer sicht­bar ist, egal wo man sich befindet.

    Mei­ner Erfah­rung nach haben viel Kun­den Angst, dass das Logo nicht mehr zu sehen ist. Was genau daran so schlimm ist, konnte bis­lang kei­ner so recht sagen. Meist gibt’s Argu­mente, dass bei Pro­spekt und Brief­bö­gen das Logo ja auch meist immer zu sehen ist.

    Für mich der größte Nach­teil von overflow:scroll ist aber, dass das Maus­rad dann am Mac nur noch eine Wir­kung zeigt, wenn die Maus über dem Bereich steht.

  9. Bei inter­es­san­tem Con­tent wird sowohl geklickt (geblät­tert) als auch gescrollt. Ich glaube es braucht etwas mehr, dass ein Besu­cher klickt. Da steckt eine (kleine) Ent­schei­dung drin. Wer vom Text gefes­selt ist, der scrollt ohne es bewusst wahrzunehmen…

    Der Haupt­fo­kus soll beim guten Con­tent liegen.

  10. Die Auf­tei­lung von Text auf meh­rere Sei­ten ver­hin­dert zügi­ges Lesen (weil die nächste Seite erst gela­den wer­den muß), schnel­les Zurück­blät­tern und (nicht zuletzt) Über­flie­gen der Seite oder ggf. auch eine Voll­text­su­che. Das sind alles Usability-Nachteile - aus Sicht eines Lesers.

  11. Ich lese regel­mä­ßig Arti­kel von Die Zeit, die in mei­nem RSS Rea­der auf­tau­chen. Dort ist eine Inhalts­tei­lung über Mehr­sei­tig­keit gelöst. Es kos­tet mich auch bei span­nen­den Arti­keln jedes Mal Über­win­dung, auf die zweite Seite zu blät­tern.. Das ist bei den Men­gen an Infor­ma­tio­nen, die im Inter­net "war­ten" denke ich nicht ver­wun­der­lich, denn man liest auf der zwei­ten Seite ja auch quasi einen zwei­ten Text.
    Per­sön­lich bin ich fest davon über­zeugt, man sollte weder Text zer­stü­ckeln, noch ins natür­li­che Scroll­ver­hal­ten des Brow­sers ein­grei­fen.
    Zusam­men­ge­fasst folge ich Tho­mas Wirth:

    Scrol­len ist okay, wenn man etwas zu sagen hat.

  12. Mit inline-scrollen sollte sehr vor­sich­tig umge­gan­gen wer­den. Gerade wenn die ganze Seite auch noch gescrollt wer­den muss, ist das nicht nur unprak­tisch, son­dern auch unschön: das Scroll­rad rea­giert da, wo es gerade ist, Scroll­bal­ken­ele­mente ragen aus dem Bild­schirm­be­reich her­aus und das Design wir durch Scroll­bal­ken auch nicht schöner.

    Mehr­sei­tige Arti­kel haben mei­ner Ansicht nach nur ihre Berech­ti­gung, wenn der User die Wer­be­ein­blen­gun­gen im Blick­feld behal­ten soll. Dann kann das aber auch mit einer Auf­tei­lung über Ein- und Aus­blen­dung per Java­script umge­setzt wer­den, damit es flüs­sig läift.

  13. Die Auf­tei­lung auf meh­rere Sei­ten ist m. E. inner­halb eines (län­ge­ren) Bei­tra­ges äußerst unprak­tisch, ande­ren­orts (z. B. bei meh­re­ren kur­zen Bei­trä­gen in Blogs) macht es wie­der Sinn. Ob man die ganze Seite oder nur den Con­tent scrol­len soll, ist wohl stark vom Con­tent abhän­gig. Bei lan­gen Bei­trä­gen, wie die­sem hier, finde ich ein Scrol­len der gesam­ten Seite ange­neh­mer, anderswo kann es Sinn machen, nur den Con­tent zu scrol­len (z. B. bei kur­zen Info­tex­ten, oder in Kom­men­tar­fel­dern), um etwa ein fest umris­se­nes Sei­ten­lay­out nicht zu zer­stö­ren. Kurzum: Es kommt immer dar­auf an, was man machen will. Viele Grüße!

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