Zwei inspirierende Tage auf dem BarCampRuhr3

Seit 2008 findet jährlich im Unperfekthaus in Essen das BarCampRuhr statt. Über meinen Kurzbesuch vor zwei Jahren habe ich an dieser Stelle berichtet. Dieses Jahr beim BarCampRuhr3 war ich an beiden Tage vor Ort, habe zwar wieder keine Session gehalten, dafür aber eine Menge Spaß gehabt.

Ich war am Samstag pünktlich zur Vorstellungsrunde gegen 10:30 Uhr vor Ort. Jeder der rund 170 Teilnehmer stellte sich vor und konnte sich kurz mit drei Stichwörtern beschreiben. Anschließend begann die Session-Planung. Insgesamt kamen für beide Tage fast 70 Sessions zusammen, verteilt auf 8 Räume mit den schönen Namen Dortmund, Bochum, Duisburg, Mülheim, Oberhausen, Gelsenkirchen, Castrop-Rauxel und Bottrop; jeder Raum unterschiedlich groß mit einem eigenen Charakter und individuell ausgestattet. Eine Übersicht über die Sessions bieten die Timetables (Samstag, Sonntag).

An dieser Stelle kann man nicht oft genug betonen: Das Unperfekthaus ist sehr wohl perfekt, wenn es darum geht, ein BarCamp auszurichten! Die Sessions in Dortmund wurde übrigens live auf zaplive.tv übertragen und sind dort – zumindest im Moment – noch verfügbar.

Sessions

An beiden Tagen gab es viele interessante Session, aber – was mich erstaunt hat – kaum eine über Webfrontend-Themen wie jQuery, CSS3 oder CSS-Frameworks, auch Markup spielte meines Wissens nach nur in zwei Vorträgen eine Rolle, nämlich in einer Session zum Thema Barrierefreiheit und einer zum Thema HTML5 und Flash. Der Themenfokus dieses BarCamps lautete »Standortbezogene Dienste«, daher spielten mobile Geräte, Services und Anwendungen sowie deren Erstellung eine große Rolle, aber auch andere Tools und Themen wie Typografie, Content-Management, Datenbanken und Social Media. Diese Vielfalt hat mir gefallen und daher habe ich mir zum Teil gezielt Sessions zu Themen ausgesucht, mit denen ich mich bisher nur wenig beschäftigt habe.

NRW is the new Berlin!

Nadia Zaboura bemühte sich in dieser Session in ihrer Funktion als Referentin des Medienclusters NRW mit uns zusammen, Inspirationen und konkrete Ideen für eine gemeinsame Kampagne für »Medienschaffende, Kreative und Akteure der digitalen Wirtschaft« zu entwickeln. Aufgrund der Kürze der Zeit gelang uns das nur im Ansatz.

Bienen und Barrieren

Ansgar Hein von anatom5, unter anderem Herausgeber des Webstandards-Magazins und mehrfacher BIENE-Gewinner, gab einen Überblick darüber, worauf Webentwickler achten müssen, um eine Website so zu entwerfen und zu erstellen, dass sie ausreichend barrierefrei ist, um Chancen auf eine BIENE zu haben – der wichtigsten Auszeichnung für barrierefreies Webdesign im deutschsprachigen Raum. Interessante Session, sympathisch und kompetent vorgetragen.

Wie misst man eigentlich den Erfolg von Social Media?

Tja, das weiß ich nach dieser Session auch nicht. Markus Kucborski hat Informationen zu seiner Session und die dazu gehörigen Folien auf seiner Website veröffentlicht und versucht sich an einem Fazit. Aus meiner Sicht eine der schwächeren Sessions dieses BarCamps; aufgewärmtes Essen ohne Würze.

Web-Tools im Business-Einsatz

Eine Session von Andreas Pilz rund um Google Apps, Zoho, Dropbox, Prezi und weitere kostenlose oder günstige webbasierte Tools für Freelancer oder kleinere Unternehmen, die IT-Services in die Cloud auslagern wollen. Leider ging die Vielfalt ein wenig unter in Diskussionen über IT-Sicherheit und Datenschutz, die an dieser Stelle fehl am Platz waren bzw. besser in einer separaten Session im Anschluss hätten stattfinden sollen. Andreas hat sich übrigens um die Timetables gekümmert – danke dafür!

Chatroulette – FSK18-Session

Man kann es nicht anderes sagen: Die beste Session von allen! Chatroulette ist die Sau, die aktuell durchs Web getrieben wird, und ist ein paar Sätze wert. Auf der Website werden Besucher zufällig mit anderen fremden Besuchern per Videochat verbunden. Jeder dieser so verbundenen Teilnehmer kann jederzeit den Chat beenden, um sogleich wieder mit dem nächsten zufällig ausgewählten Chatpartner verbunden zu werden. Chatroulette gibt es seit November 2009 und wird mittlerweile von rund einer halben Million Besuchern pro Tag genutzt. Natürlich handelt es sich dabei nicht immer um die digitale Avantgarde, eher im Gegenteil: Die TAZ schreibt:

»Es gibt zehnmal mehr Jungs als Mädchen, und die sind immer mindestens zu zweit. Etwa jeder sechste Zufalls-Partner ist ein Penis, dafür kann etwa ein Viertel aller Leute irgendwas besonderes, ist verkleidet, tanzt oder spielt Flöte.«

Mit diesen Erwartungen sind wir in die Session gegangen, die Kathrin Grannemann (@Katti) organisiert hat, und wurden nicht enttäuscht. Die ersten Chat-Partner waren zwar allesamt doof oder langweilig (und nur ein Penis dabei, was viele enttäuscht hat), aber die Unterhaltung mit dem skurrilen, aber sehr sympathischen und lustigen Colin Vardy aus Labrador City war einfach grandios! Die Mitschnitte (Flickr, YouTube oder der komplette Mitschnitt) geben einen Eindruck der Stimmung im Raum. Wurde bei einer BarCamp-Session jemals so ausgiebig Party gemacht? Mittlerweile hat Colin eine Facebook-Fanpage eingerichtet und genießt seinen neuen Ruhm. Unglaublicher Typ!

Abbildung 1: Chat mit Colin Vardy (Foto von SimSullen)

Webstandard-Magazin

Mit Ansgar Hein, Maik Wagner (@fernmuendlich) und Marie Dietz (@zwergschwein) habe ich mich über das Webstandards-Magazin unterhalten und schon einmal einen Blick in die nächste Ausgabe geworfen, die in einigen Tage erscheinen wird. Kaufen!

Präsentieren mit dem iPhone

Eine Session von Kathrin Grannemann und Richard Joos und für mich ein Blick über den Tellerrand. Fazit: Hat man das entsprechende Kabel (ca. 40,00 €), kann man mit dem iPhone Fotos über einen Beamer auf die Leinwand werfen, mehr geht nicht. Es sei denn, man hat das iPhone entsperrt (Jailbreak), was nicht jeder machen sollte, da man damit die Garantie-Bestimmungen von Apple verletzt. Wer es trotzdem macht, kann seinem iPhone unter anderem Multitasking beibringen und Apps installieren, die es ermöglichen, die komplette Anzeige auf den Beamer zu bringen. Sehr interessant!

TYPOlight CMS

Marie Dietz und Jan Theofel gaben einen kurzen Einblick in TYPOlight, einem Content-Management-System, das auf den ersten Blick einen guten Eindruck macht. Ich nehme mir hiermit vor, in nächster Zeit einen genaueren Blick auf und hinter das System zu werfen.

China, Internet und Kultur

Ein Einblick in eine andere Welt von Vivian Pein, die sich seit ihrem zwölften Lebensjahr mit China und der chinesischen Kultur beschäftigt und in Kürze für drei Monate beruflich nach China geht. Zusammenfassung: Chinesische Websites sind bunt, lebendig und alles bewegt sich. Chinesischer Hip-Hop ist anders, aber nicht besser oder schlechter als das, was man hierzulande so hört. Im Umgang miteinander unterscheiden sich Chinesen deutlich von westlich geprägten Kulturen wie der unseren.

Fazit

Abbildung 2: Gruppenfoto nach der Session-Planung (Foto von Chris Jahn)

Das BarCampRuhr3 war einen Besuch wert, ein Tag war besser als der andere. An dieser Stelle bedanke ich mich bei unserem »Gastgeber« Stefan Evertz für die reibungslose Organisation. Sogar das Essen war klasse! 😉 Stefan, ich hoffe, du kannst dich dazu motivieren, auch nächstes Jahr die Organisation eines BarCampRuhr zu schultern.

Neben den genannten Personen hat es mich besonders gefreut, Antonia Ilski (@soophie), Stefan Nitzsche, Mathias Schäfer und Michel Balzer wiederzutreffen bzw. kennen zu lernen. Ich hoffe, wir sehen uns demnächst mal wieder.

Zahlreiche Fotos vom BarCampRuhr3 gibt es natürlich bei Flickr.

Nachtrag (26. März 2010)

In seinem Kommentar spannt Stefan uns noch auf die Folter, aber in seinem Blog packt er aus: Es wird ein BarCampRuhr4 geben! Stattfinden wird es vom 26. bis 27. März 2011, wieder im Unperfekthaus. Sehr schön! 🙂

4 Kommentare
  1. Maik Wagner
    Maik Wagner says:

    Heh, barrierefrei muß nicht häßlich sein: »zu entwerfen und zu entstellen«. Bei dem Tippfehler konnte ich nicht widerstehen…

    Ansonsten schöne Zusammenfassung und vor allem Linksammlung zu Colin, unserem neuen Freund.

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  2. Stefan Evertz
    Stefan Evertz says:

    Da kann ich nur ein „Gern geschehen!“ entgegnen, verziert mit einem vagen „Schaumer mal“ 😉 Danke für den ausführlichen Bericht – solche langen Berichte sind leider etwas aus der Mode gekommen…

    Und den Tippfehler – der fast schon Freudsche Dimensionen hat 😉 – habe ich doch glatt beim ersten Lesen Sonntag nacht übersehen 😀

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Trackbacks & Pingbacks

  1. […] ehr­lich: Das frage ich mich (wie Michael Jen­dry­schick) nach der Ses­sion auch Es wur­den zwar etli­che inter­es­sante Zah­len vor­ge­stellt, […]

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