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Einführung in Management nach Malik, Teil 2: Aufgaben wirksamer Führung

Führen, Leisten, Leben

Malik beschreibt fünf Schlüs­sel­auf­ga­ben, ohne deren pro­fes­sio­nelle Erfül­lung kein Mana­ger Ergeb­nisse erzie­len kann. Wahr­schein­lich gibt es noch andere Auf­ga­ben, die Sie wahr­neh­men müs­sen, ganz sicher aber gehö­ren die fol­gen­den Auf­ga­ben dazu: Für Ziele sor­gen, Orga­ni­sie­ren, Ent­schei­den, Kon­trol­lie­ren, Men­schen ent­wi­ckeln und för­dern.

Vor­be­mer­kung

In den freien Tagen zwi­schen den Jah­ren 2011 und 2012 bin ich end­lich dazu gekom­men, »Füh­ren, Leis­ten, Leben« von Fred­mund Malik (Amazon-Partnerlinks) zu lesen, eines der »100 bes­ten Wirt­schafts­bü­cher aller Zei­ten«, ein »Klas­si­ker der Manage­ment­li­te­ra­tur« – und tat­säch­lich hat das Buch mich begeis­tert und inspi­riert. Malik erläu­tert darin, wie wich­tig rich­ti­ges und gutes Manage­ment für moderne Gesell­schaf­ten ist, und stellt fest, dass Manage­ment ein Beruf ist, den fast alle Men­schen aus­üben kön­nen, sobald sie gelernt haben, die not­wen­di­gen Auf­ga­ben zu erfül­len, Werk­zeuge rich­tig ein­zu­set­zen und sich an bestimmte Grund­sätze zu hal­ten. Dies alles ist Thema des Buches und die­ser Arti­kel­reihe, in der ich die wesent­li­chen Gedan­ken des Buches in vier Tei­len zusammenfasse.

Die­ser Arti­kel bie­tet keine Ein­füh­rung in Manage­ment an sich, son­dern gibt nur Maliks Ansatz wider. Hin und wie­der gebe ich mei­nen eige­nen Senf dazu. Über ergän­zende Lite­ra­tur­vor­schläge und inter­es­sante Dis­kus­sio­nen in den Kom­men­ta­ren freue ich mich.

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Für Ziele sorgen

Sie soll­ten sich mit Ihren wich­tigs­ten Mit­ar­bei­tern regel­mä­ßig über die grund­le­gende Rich­tung abstim­men, die das Unter­neh­men, der Geschäfts­be­reich oder der jewei­lige Mit­ar­bei­ter gehen soll. Beschrän­ken Sie sich dabei auf wenige, aber große und wich­tige Ziele, auf deren Errei­chung sich die Mit­ar­bei­ter kon­zen­trie­ren können.

Bei der For­mu­lie­rung von Zie­len soll­ten Sie smart vor­ge­hen. Dazu soll­ten Sie Ziele, wo immer mög­lich, quan­ti­fi­zie­ren oder zumin­dest mit größt­mög­li­cher Prä­zi­sion schrift­lich fest­hal­ten. Um zu rea­lis­ti­schen Zie­len zu gelan­gen, ist es sinn­voll, nicht nur das Ziel an sich zu beschrei­ben, son­dern auch wich­tige Res­sour­cen und Maß­nah­men zu notie­ren, die not­wen­dig sind, um das Ziel zu erreichen.

Übri­gens lohnt es sich, wenn Sie nicht nur dar­über nach­zu­den­ken, was Sie im nächs­ten Jahr tun wol­len und das in den jähr­li­chen Ziel­for­mu­lie­run­gen aus­zu­drü­cken, son­dern auch, was Sie nicht mehr tun wol­len. Etwas nicht mehr zu tun, ist genauso ein Ziel, wie etwas zusätz­lich zu tun, nur soll­ten Sie es ande­res aus­drü­cken, eben smart. Zumeist wol­len Sie ja nicht ein­fach nur etwas been­den, son­dern statt­des­sen etwas Neues star­ten. Rücken Sie dies in Ihrer Ziel­be­schrei­bung in den Vordergrund.

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Orga­ni­sie­ren

Hier­bei geht es um die Ant­wort auf die Fra­gen: Wie müs­sen Sie sich und Ihr Unter­neh­men orga­ni­sie­ren, damit das,

  • wofür der Kunde Sie bezahlt, im Zen­trum der Auf­merk­sam­keit steht und von dort nicht wie­der ver­schwin­den kann?
  • wofür das Unter­neh­men seine Mit­ar­bei­ter und die Unter­neh­mens­füh­rung bezahlt, von die­sen auch wirk­lich getan wer­den kann?

Diese Fra­gen sind hier mit Blick auf ein Wirt­schafts­un­ter­neh­men for­mu­liert, aber sie las­sen sich leicht für jede andere Art von Orga­ni­sa­tion umformulieren.

Eine gute Orga­ni­sa­tion zeigt sich darin, dass es mög­lichst wenige Manage­ment­ebe­nen gibt, kaum bereichs­über­grei­fen­des Arbei­ten not­wen­dig ist und wenige Bespre­chun­gen statt­fin­den müs­sen, um Ziele zu erreichen.

Wenn dies nicht der Fall und damit eine Reor­ga­ni­sa­tion not­wen­dig ist, dann müs­sen Sie die erfor­der­li­chen Ände­run­gen sorg­fäl­tig im Vor­aus durch­den­ken und danach rasch und kom­pro­miss­los durchziehen.

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Ent­schei­den

Hier geht es nicht um All­tags­ent­schei­dun­gen wie: Soll ich in der Kan­tine das Schnit­zel mit Pom­mes essen oder lie­ber die Gemü­se­pfanne? Son­dern die wirk­lich wich­ti­gen Ent­schei­dun­gen, die Mana­ger mit Bedacht tref­fen soll­ten, da sie mit Risi­ken ver­bun­den sind und neben den gewünsch­ten Fol­gen immer auch uner­wünschte Fol­gen mit sich brin­gen kön­nen. Je wich­ti­ger die Ent­schei­dung, desto mehr soll­ten Sie sich an fol­gende Schema halten.

  • Bestim­men Sie zunächst das genaue Pro­blem. Gehen Sie am bes­ten davon aus, dass das Pro­blem nicht klar genug und sel­ten genau das ist, wonach es auf den ers­ten Blick aus­sieht. Wenn Sie das Pro­blem falsch ver­stan­den haben, dann ist es dem rei­nen Zufall zu ver­dan­ken, wenn eine Ent­schei­dung sich als rich­tig herausstellt.
  • Spe­zi­fi­zie­ren Sie die Anfor­de­run­gen, die die Ent­schei­dung min­des­tens erfül­len muss.
  • Arbei­ten Sie alle Alter­na­ti­ven her­aus. Begnü­gen Sie sich dabei nicht mit den ers­ten paar Alter­na­ti­ven, die Ihnen oder Ihrem Team ein­ge­fal­len sind, son­dern gehen Sie davon aus, dass es immer noch mehr Alter­na­ti­ven gibt. Übri­gens soll­ten Sie nicht ver­ges­sen, den Sta­tus quo als mög­li­che Alter­na­tive in Betracht zu zie­hen: Nichts zu ver­än­dern ist auch eine Entscheidung.
  • Ana­ly­sie­ren Sie die Risi­ken und Fol­gen für jede Alter­na­tive. Wie lange legen die ein­zel­nen Alter­na­ti­ven das Unter­neh­men zeit­lich fest und wie rever­si­bel sind die Ent­schei­dun­gen? Sind die Ent­schei­dun­gen mit Risi­ken ver­bun­den, die Sie bezie­hungs­weise das Unter­neh­men sich leis­ten kön­nen oder würde es beim Ein­tre­ten zu einer Kata­stro­phe führen?
  • Arbei­ten Sie Grenz­be­din­gun­gen her­aus und doku­men­tie­ren Sie sie. Dabei han­delt es sich um Annah­men über äußere Umstände, die Sie nicht genau bestim­men kön­nen, son­dern nur ein­schät­zen, die aber (lei­der) Ein­fluss auf Ihre Ent­schei­dung haben.  Wenn eine Grenz­be­din­gung irgend­wann ein­mal nicht mehr zutrifft, liegt eine voll­kom­men neue Situa­tion vor, die wahr­schein­lich eine neue Ent­schei­dung erfor­dert. Wenn eine Ent­schei­dung bei­spiels­weise auf der Annahme basiert, dass eine bestimmte Tech­no­lo­gie (sagen wir XHTML 2.0) in spä­tes­tens 5 Jah­ren den Durch­bruch geschafft haben wird, dann soll­ten Sie sie sofort über­den­ken, wenn der Her­stel­ler (das W3C) die Ent­wick­lung zurück­fährt oder einstellt.
  • Tref­fen Sie nun Ihren Ent­schluss. Das kön­nen Sie, weil Sie das Pro­blem, die Lösungs­an­for­de­run­gen, die Alter­na­ti­ven und Fol­gen gründ­lich und gewis­sen­haft durch­dacht haben. Jetzt geht es aller­dings noch weiter:
  • Legen Sie die für die Rea­li­sie­rung des Ent­schlus­ses unbe­dingt not­wen­di­gen Maß­nah­men fest und doku­men­tie­ren Sie sie schrift­lich. Über­le­gen Sie sich, wel­che Per­so­nen wel­che Infor­ma­tio­nen, wel­che Werk­zeuge und wel­ches Trai­ning benö­ti­gen, um die Ent­schei­dung, ihre Rea­li­sie­rung und Kon­se­quen­zen ver­ste­hen und umset­zen zu kön­nen. Bestim­men Sie eine Per­son, die für die Rea­li­sie­rung die Ver­ant­wor­tung trägt – im Zwei­fel Sie selbst. Legen Sie Ter­mine fest.
  • Eta­blie­ren Sie Feed­back. Ver­ge­wis­sern Sie sich, dass die ent­schei­den­den Dinge auch wirk­lich getan wer­den. Ver­las­sen Sie sich nicht auf münd­li­che oder schrift­li­che Berichte, gehen Sie selbst hin und schauen Sie nach.

Wenn Sie mit ande­ren Betei­lig­ten dis­ku­tie­ren, bei­spiels­weise bei der genauen Bestim­mung des Pro­blems oder dem Her­aus­ar­bei­ten aller Alter­na­ti­ven, dann ach­ten Sie dar­auf, dass sich nicht zu schnell alle Betei­lig­ten einig sind. Schaf­fen Sie eine Atmo­sphäre, in der alle unter­schied­li­chen Auf­fas­sun­gen auf den Tisch kom­men und dis­ku­tiert wer­den kön­nen. Nur so wer­den Sie zu einem Kon­sens kom­men, der eine Ent­schei­dung auch noch in der Umset­zungs­phase trägt. Wäh­len Sie hierzu eine inkon­gru­ente Diskussionsrunde.

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Kon­trol­lie­ren

Jeder Beruf kann gut oder schlecht aus­ge­übt wer­den, daher muss die Qua­li­tät von Manage­ment genauso kon­trol­liert wer­den wie bei­spiels­weise die Qua­li­tät eines Dach­stuhls. Qua­li­tät kann man mes­sen oder beur­tei­len. Den Unter­schied defi­niert Malik wie folgt:

»Von Mes­sen kann man spre­chen, wenn – nach Eta­blie­rung eines Ver­fah­rens – uner­fah­rene Per­so­nen zum annä­hernd sel­ben Ergeb­nis kom­men, wenn sie sich an das­selbe Ver­fah­ren hal­ten. Von Urtei­len spricht man, wenn erfah­rene Men­schen zum annä­hernd sel­ben Ergeb­nis kom­men, wenn sie sich an die­sel­ben Regeln halten.«

Wo Sie mes­sen kön­nen, soll­ten Sie mes­sen. Beschrän­ken Sie sich dabei auf die kleinst­mög­li­che Zahl an Kon­troll­grö­ßen und mes­sen Sie nur das, was Sie kon­trol­lie­ren müs­sen, um mit aus­rei­chen­der Sicher­heit davon aus­ge­hen zu kön­nen, dass nichts Wesent­li­ches aus dem Ruder gehen kann. Ver­las­sen Sie sich dabei auf Stichproben.

Wo Sie nicht mes­sen kön­nen, müs­sen Sie beur­tei­len – und dafür brau­chen Sie Erfah­rung. Auch hier gilt: Sie brau­chen nicht alles, nicht immer, nicht jeden zu kon­trol­lie­ren. Kol­le­gen, die Sie schon seit Jah­ren ken­nen und die immer kor­rekt und zuver­läs­sig gear­bei­tet haben, brau­chen Sie fast gar nicht zu kon­trol­lie­ren; ganz anders neue Kol­le­gen oder jemand, dem eine neue her­aus­for­dernde Auf­gabe zuge­teilt wurde, bei der er viel­leicht Ori­en­tie­rung und Ihre Hilfe benö­ti­gen könnte.

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Men­schen ent­wi­ckeln und fördern

Zu den Auf­ga­ben jedes Mana­gers gehört es, Men­schen zu för­dern und zu ent­wi­ckeln – füh­ren, im bes­ten Sinne des Wor­tes. Men­schen ent­wi­ckeln sich im Laufe der Jahre ohne­hin, aber Sie kön­nen die Rich­tung vorgeben.

Es gibt wesent­li­che Ele­mente, die Sie für die För­de­rung und Ent­wick­lung von Men­schen in Orga­ni­sa­tio­nen beach­ten müssen.

  • Die rich­ti­gen Auf­ga­ben: Men­schen ent­wi­ckeln sich mit und an ihren Auf­ga­ben, wenn diese grö­ßer und for­dern­der sind als ihre bis­he­ri­gen Auf­ga­ben und mit per­sön­li­cher Ver­ant­wor­tung ver­bun­den sind. Beson­ders wirk­sam kön­nen Men­schen sich zudem ent­wi­ckeln, wenn die sie dabei ihre Stär­ken voll ein­brin­gen können.
  • Der rich­tige Chef: Mal ist der eine Vor­ge­setzte für die aktu­elle Ent­wick­lungs­phase eines Men­schen genau der rich­tige, mal ein ande­rer. Dabei geht es weni­ger um Sym­pa­thie oder darum, ob beide gut mit­ein­an­der har­mo­nie­ren, son­dern um seine Vor­bild­funk­tion im fach­li­chen Bereich.
  • Die rich­tige Stelle: Schät­zen Sie Ihren Mit­ar­bei­ter rich­tig ein: Ist die Per­son ein Ein­zel­gän­ger oder ein Team­spie­ler? Genau, pedan­tisch und detail­ver­liebt oder kon­zep­tio­nell und im Grund­sätz­li­chen stark, aber kaum inter­es­siert am Detail? Braucht er eher einen hohen Rou­ti­ne­an­teil oder eher einen hohen Inno­va­ti­ons­grad? Ist eine Linien- oder eine Stabs­stelle besser?

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