29. Oktober 2003, Letzte Änderung: 24. August 2009
Einfachheit
Die Abbildung basiert auf einer Grafik von Donald Norman und zeigt sieben Schritte, die eine Person durchführen muss, um eine Handlung zu vollenden. Wenn wir ganz oben bei den Zielen (Goals) einer Person starten, dann formt sie eine Menge an Vorsätzen, um gewisse Dinge in der Welt zu verändern. Sie übersetzt ihre Vorsätze in eine Handlungssequenz und führt diese aus. Danach nimmt sie die Welt in einem anderen Zustand wahr, interpretiert, was sie sieht, und vergleicht erneut mit dem, was sie sich zu ändern vorgenommen hat. Sie kann den Kreis erneut durchlaufen, wenn sie ihre Ziele nicht erreicht hat.
Wenn irgendwelche Werkzeuge einbezogen sind, wie es im Web der Fall ist, dann müssen die Vorsätze in Aktionen übersetzt werden, welche die Werkzeuge ausführen können. Wenn die Art, wie eine Person über ein Problem denkt, sich von der Art, wie es der Entwickler eines Werkzeugs tut, unterscheidet, dann kann diese Übersetzung schwierig sein: Das lässt sich mit dem Versuch vergleichen, von einem Feld eines Schachbretts zu einem angrenzenden zu springen, wenn Sie nur mit dem Springer ziehen können. Norman nennt diesen Schritt Kluft der Ausführung (gulf of execution).
Die Werkzeuge in unserem Fall sind Software und formale Sprachen. Gute Programme können schlechte Sprachen einigermaßen kaschieren, aber wenn das Sprachmodell schwer zu verstehen oder komplex ist, sind solche Programme schwierig zu entwerfen. Und manchmal wissen die Leute nicht, welches Werkzeug das richtige ist.
Nehmen Sie ein Beispiel: Grafikdesigner möchten visuelle Effekte auf Webseiten erstellen, die (in ihrer Vorstellung) aus teilweise überlappenden Grafiken bestehen. Bevor es CSS 2 gab, waren HTML-Tabellen das einzige Werkzeug, das ihnen zur Verfügung stand, um Elemente visuell anzuordnen. Aber Tabellenzellen überlappen sich nicht. Wie auch immer, einige kluge Software-Entwickler konnten eine Schnittstelle präsentieren, womit Designer Grafiken wie gewünscht positionieren konnten, und im Hintergrund schnitt das Programm die Grafiken in winzige Stücke. Die Stücke, die nicht überlappten, belegten jeweils eine Zelle einer riesigen Tabelle. Das funktionierte, zumindest meistens, aber wenn jemand anderes, der nicht das Werkzeug des Autoren besaß, herauszufinden versuchte, was da vor sich ging, oder gar versuchte, die Darstellung zu ändern, war er dazu nicht in der Lage, weil er den Quelltext nicht verstand. Was uns zu einer anderen Kluft führt.
Die Kluft der Auswertung (gulf of evaluation) auf der rechten Seite des Diagramms steht für die Schwierigkeiten, die ein Nutzer hat, wenn er Darstellung und Meldungen eines Systems auf sein eigenes geistiges Modell abbilden möchte. Das Problem dabei kann sein, dass das System unvollständige oder mehrdeutige Informationen präsentiert (»Syntaxfehler in Datei«) oder es verwendet Metaphern, die nicht denen des Nutzers entsprechen (»grün steht für Fehler«). In dem oberen Beispiel sind Tabellen eine falsche Metapher für überlappende Grafiken.
Anmerkung des Übersetzers:
HTML bietet eine Reihe von Beispielen, wo Elemente nicht nach Aspekten der inhaltlichen Textauszeichnung sondern nur nach visuellen Kriterien ausgewählt, also falsche Metaphern verwendet werden: blockquote wird zur Einrückung von Text verwendet, b zur Betonung, die Elemente h1 bis h6 zur Darstellung von unterschiedlichen Schriftgrößen oder – anders herum – font oder span zur Markierung von Text als Überschrift.