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Was ist ein guter Standard?

Erlernbarkeit

Hin und wieder hört man Menschen sagen, Syntax sei nicht wichtig. Das stimmt nicht: Syntax ist eine der wichtigsten Dinge. (Was sie womöglich wirklich meinen, ist dass ihre Syntax besser ist als zum Beispiel die von Ihnen...) Vielleicht beziehen sie sich auf die Tatsache, dass es mehrere Wege gibt, das gleiche Muster auszuführen. Das ist richtig, aber daraus folgt nicht, dass alle Wege äquivalent sind. Es ist eine philosophische Frage, ob die Sprache einer Person ihr mentales Modell der Welt ausdrückt, oder ob die Sprache lediglich die Oberflächenstruktur eines tiefer liegenden Modells beschreibt, das im Wesentlichen für jeden gleich ist. Über menschliche Sprachen lassen wir andere debattieren, aber für unsere formalen, beschränkten Sprachen sollten wie einen Ratschlag aus der Mathematik befolgen: es gibt nichts Besseres als eine sinnvolle Notation, um ein Modell zu verstehen.

Das Standard-Beispiel aus der Mathematik ist dt/dx, was so aussieht (und von Physikern auch so betrachtet wird) wie eine unendlich kleine Änderung von t geteilt durch eine unendlich kleine Änderung von x. Mathematiker können Ihnen genau erklären, in welchen Fällen sich dieser Ausdruck wie eine Division verhält und in welchen Fällen nicht, aber Tatsache ist, dass er sich für nahezu alle Formeln, die in der Physik vorkommen, wie eine Division verhält. Und es macht das Leben für Physiker leichter, dass sie (dx/dt)(dt/dy) zu dx/dy vereinfachen können. Es ist einfach, weil es genauso aussieht wie die Vereinfachung von (2/3)(3/7) zu 2/7. Mathematiker haben Differentialgleichungen nicht immer als dt/dx geschrieben, aber es hat schon seinen Grund, dass die anderen Notationen mittlerweise vergessen sind.

Erlernbarkeit hat folglich eine Menge mit Lesbarkeit zu tun.

Siehe auch

[Wittgenstein86]
Wittgenstein, Ludwig. Tractatus logico-philosophicus. Amsterdam. Dec 1986. Athenaeum-Polak & Van Gennep. In German, with Dutch text on right-hand pages, translated by W.F. Hermans