Permalink

Was ist ein guter Standard?

Geräteunabhängigkeit

Wenn eine Spezifikation nicht von einem Gerät (oder einer speziellen Art von Gerät) abhängen muss, dann sollte eine solche Abhängigkeit auch vermieden werden. Oder die Spezifikation sollte in einen geräteabhängigen und einen geräteunabhängigen Part aufgeteilt werden. Geräteunabhängigkeit ist in vielen Fällen das gleiche wie Zugänglichkeit, wenngleich für andere Zwecke.

Eine Spezifikation wie CSS ist zum Teil geräteabhängig: Die Spezifizierung einer Schrift ist nur in einem visuellen Medium sinnvoll; es gibt keine Interpretation einer Schrift in einer Sprachausgabe. CSS unterteilt alle Geräte in Klassen und erlaubt eine Gruppierung von Style-Angaben für jede Klasse. Dies ist ein Unterschied gegenüber HTML. Gerade weil CSS (und XSL) den geräteabhängigen Part übernehmen, kann HTML geräteunabhängig sein. Das macht es möglich, HTML für Dinge über die Anzeige auf dem Monitor hinaus einzusetzen (siehe auch Wiederverwendung).

Manchmal wird behauptet, HTML sei nicht geräteunabhängig, denn ein HTML-Autor geht davon aus, dass seine Leser ein geeignetes Medium verwenden, um Text zu lesen, zum Beispiel ein Buch, ein Magazin, einen Laserdrucker oder einen einigermaßen großen Bildschirm. Einen 5-seitigen Artikel auf dem Bildschirm der meisten Mobiltelefone zu lesen, ist nicht wirklich angenehm. Aber ist das ein Fehler von HTML oder ist es eher der Fall, dass gewisse Inhalte einfach für gewisse Umgebungen geeigneter sind? HTML ist für Wettervorhersagen genauso geeignet wie für Romane. Was HTML vielleicht vorgeworfen werden kann, sind die Mängel in den aktuellen CSS-Implementierungen.

Es ist nicht nur erstrebenswert, die gleiche Ressource auf verschiedenen Geräten gleichzeitig verwenden zu können, eine nützliche Ressource sollte ebenfalls so gestaltet werden, dass sie zukünftige technologische Änderungen übersteht. Wenn Technologien sich weiterhin so stark verändern wie zurzeit, kann es passieren, dass ein vier Jahre altes, damals auf einem aktuellen System erstelltes Dokument bald nicht mehr lesbar sein wird, weil die notwendige Hardware nicht mehr hergestellt werden oder ein bestimmter Softwarehersteller in Konkurs gegangen sein wird. Nicht alle HTML-Dokumente sind es wert, 50 Jahre lang aufbewahrt zu werden, aber HTML sollte es zumindest ermöglichen, dass Dokumente auch für zukünftige Generationen lesbar bleiben. Gutenbergs Bibel ist auch nach 500 Jahren noch lesbar, warum sollten Ihre Publikationen weniger wert sein? (Siehe auch Langlebigkeit.)

Siehe auch

[Rothenberg95]
Rothenberg, Jeff. "Ensuring the Longevity of Digital Documents" in: Scientific American. Vol. 272. pp. 42-47. Jan 1995.
[TFADI96]
Preserving Digital Information. 1 May 1996. The Commission on Preservation and Access and The Research Libraries Group, Inc.. URL: http://www.rlg.org/ArchTF/tfadi.index.htm