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Was ist ein guter Standard?

Modularität

Menschen können nur mit einer beschränken Anzahl an Konzepten gleichzeitig arbeiten. Das Kurzzeitgedächtnis, welches bei der Lösung eines Problems auf geistiger Ebene beansprucht wird, kann nur sechs oder sieben unterschiedliche Dinge gleichzeitig behalten. Um ein Problem zu lösen, unterteilen wir es deswegen in höchstens sechs Einheiten und erarbeiten die Gesamtlösung aus den Einzellösungen heraus. Jede Einheit steht für ein Teilproblem, das eines nach dem anderen gelöst werden muss. Man kann jedes Teilproblem selbst lösen, aber man kann es auch von jemand anderem lösen lassen. Wenn die Einheiten klein genug sind, dass man ihnen ansprechende Namen zuweisen kann, nennen wir sie »Module«.

Aber woher weiß man, dass man ein Problem in die richtigen Einheiten unterteilt hat? Vor allem durch Ausprobieren, wenngleich wir einige intuitive Fähigkeiten haben, die hauptsächlich auf unseren Sprachkenntnissen basieren, an denen wir uns orientieren können.

Wenn wir Module definieren, versuchen wir »logische Einheiten« zu finden, also Dinge, die anscheinend zusammengehören. Das hat nichts mit Logik zu tun, sondern mit unserer Fähigkeit, Dinge unter einem gemeinsamen Nenner zu gruppieren. Denn wenn wir eine Gruppe mit einem kurzen Namen bezeichnen können, bedeutet dies vermutlich, dass es sich um ein aus einem anderen Bereich bekannten Problem handelt. Dabei verlassen wir uns hauptsächlich auf Metaphern, indem wir Namen aus anderen Problemfeldern verwenden. Dadurch existieren Begriffe wie »password«, »style sheet«, »firewall«, »protocol« und natürlich »Web« (wobei einige Metaphern besser als andere sind...)

Anmerkung des Übersetzers:

Ich habe an dieser Stelle auf die Übersetzung oder Eindeutschung der Originalbegriffe verzichtet. »password« legt die Metapher, die das Wort beinhaltet, deutlicher offen als die wenngleich fast identische deutsche Übersetzung »Passwort« (die auch eine Metapher beinhaltet, allerdings eine andere).

In diesem Zusammenhang möchte ich anmerken, dass dadurch, dass englische Bezeichnungen einfach ins Deutsche übernommen oder unzureichend übersetzt werden, viele Feinheiten und Wortursprünge, die eine Sprache bereichern, nicht in die deutsche Sprache eingeflossen sind. Warum zum Beispiel können wir statt von einem »World Wide Web« nicht von einem »weltweiten Netz« sprechen, wo doch dadurch so treffend und für jeden verständlich charakterisiert wird, worum es sich dabei handelt? Das ist es auch, was der Autor meint, wenn er von »Metaphern« spricht.

Gelegentlich stellt sich heraus, dass ein Modul möglicherweise ein Teil eines anderen Problems ist. Dadurch fanden die Syntax- und Selektor-Module von CSS 3 in der STTS Document Transformation Language Verwendung, und PNG findet als Format für Mauszeiger und Bitmaps in SVG Anwendung. Einige Dokument-Sprachen verwenden eine Menge HTML, aber es ist umstritten, ob man von einer großen Anzahl von HTML-Modulen oder einfach von HTML-Varianten sprechen soll. Wahrscheinlich letzteres, da ihre Funktion sich so sehr mit der von HTML überlappt, dass es einen Verstoß gegen das Prinzip der minimalen Redundanz bedeuten würde.