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Usability und Webstandards

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Web Squared: Web 2.0 nach 5 Jahren

Vor fünf Jahren haben wir eine Konferenz ins Leben gerufen, die auf einer einfachen Idee basierte, die zu einem weltweiten Phänomen wurde. Die ursprüngliche Web-2.0-Konferenz (mittlerweile Web 2.0 Summit) sollte das Vertrauen in eine Branche wieder herstellen, die ihre Ziele nach der Dotcom-Pleite aus den Augen verloren hatte. Wir vertraten damals die Meinung, dass das Web alles andere als erledigt war, sondern auf dem Weg, eine stabile Plattform für kulturverändernde Programme und Services zu werden.

Wir fragten uns, warum einige Unternehmen die Dotcom-Pleite überlebt haben, während andere untergegangen sind. Darüber hinaus schauten wir uns einige aufstrebende Startups genauer an und untersuchten, weshalb sie so schnell wuchsen. Unsere Erkenntnisse halfen uns dabei, die Geschäftsregeln dieser neuen Plattform zu verstehen.

Die wichtigste Erkenntnis war, dass die Idee des »Netzwerks als Plattform« mehr bedeutet, als lediglich alte Applikationen übers Internet bereit zu stellen (software as a service). Es bedeutet vielmehr, Applikationen zu entwickeln, die besser werden, je mehr Menschen sie nutzen. Und es bedeutet, von den Nutzern zu lernen und auf deren Mitwirkung aufzubauen, anstatt einfach nur zu versuchen, immer mehr Nutzer anzuhäufen.

An Diensten wie Google, Amazon, Wikipedia, eBay und Craigslist sehen wir, dass deren Nutzen zwar durch Software ermöglicht wird, aber vor allem durch die Gemeinschaft der Nutzer entsteht. Auf andere Weise zeigen dies auch neue große Plattformen wie YouTube, Facebook und Twitter. Der Begriff »Web 2.0« steht dafür, kollektive Intelligenz zu nutzen (siehe den Artikel What Is Web 2.0).

Applikationen aus dem Bereich der kollektiven Intelligenz verwalten, verstehen und reagieren in Echtzeit auf große Mengen benutzergenerierter Daten. Daten wie Ortsangaben und Identitäten von Personen, Produkten, Orten und Plätzen sowie die Bedeutungen, die diese Daten miteinenader verbinden, bilden die Bestandteile eines neuen aufstrebenden »Internet-Betriebssystems«. Daten sind das »Intel Inside« der nächsten Generation von Computer-Applikationen.

Aus heutiger Sicht lagen wir mit unseren Erkenntnissen richtig. Aber darüber hinaus haben sich andere, spannende Dinge entwickelt, mit denen wir im Jahr 2004 nicht gerechnet hatten. Die starke Verbreitung von Smartphones führte das Web weg von unseren Bildschirmen direkt in unsere Hosentaschen. Applikationen aus dem Bereich der kollektiven Intelligenz basieren nicht mehr nur auf Daten, die Menschen über ihre Tastaturen eingeben, sondern mehr und mehr auch auf Sensordaten. Unsere Telefone und Kameras haben sich zu Augen und Ohren von Applikationen entwickelt. Bewegungs- und Ortssensoren teilen mit, wo wir uns befinden, was wir uns ansehen und wie schnell wir uns fortbewegen. Daten werden in Echtzeit gesammelt, dargestellt, ausgewertet und verarbeitet. Es wird ein Vielfaches mehr Daten gesammelt als noch vor fünf Jahren.

Mit weiteren Nutzern und Sensoren, die noch mehr Programme und Plattformen mit Daten beliefern, sind Entwickler in der Lage, die wirklichen Probleme der Welt anzugehen. Im Ergebnis steigt das Potenzial des Webs nicht mehr linear an, sondern exponentiell. Daraus ergibt sich unser Thema für dieses Jahr: Web zum Quadrat (oder: Web hoch zwei, Web²). 1990–2004 wurde die Lunte angefacht; 2005–2009 brannte sie langsam ab; und 2010 wird die Explosion stattfinden.

Seit wir den Begriff »Web 2.0« eingeführt haben, fragen uns die Leute ständig: »Was kommt als Nächstes?« Von Leuten, die »Web 2.0« nicht als Bezeichnung für das »Comeback« des Webs nach der Dotcom-Pleite verstehen, sondern als eine Softwareversion, werden wir ständig nach dem »Web 3.0« gefragt. Wird es das »Semantic Web«? Oder das »Sentient Web«? Vielleicht das »Social Web«? Oder das »Mobile Web«? Oder ist es vielleicht eine Form der virtuellen Realität?

Es ist all dies zusammen und noch viel mehr!

Das Web ist keine Zusammenstellung einzelner HTML-Seiten, die jede für sich einen Aspekt der Welt beschreiben. Nein, zunehmend ist das Web die Welt. Alles und jeder in dieser Welt wirft einen »Informationsschatten«, eine »Datenaura«, die außergewöhnliche Möglichkeiten bietet, wenn sie intelligent eingefangen und verarbeitet wird. »Web²« ist unser Weg, dieses Phänomen zu untersuchen und ihm einen Namen zu geben.