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Usability und Webstandards

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Was ist ein guter Standard?

Ein Essay über die Designprinzipien des W3C

Anmerkung

Dies ist die deutsche Übersetzung des Essays What is a good standard? von Bert Bos. Die Übersetzung ist vom 26. Oktober 2003 und kann Übersetzungsfehler enthalten.

Kommentare des Übersetzers, die als solche gekennzeichnet sind, sind nicht Bestandteil des Ursprungsdokuments. Bitte senden Sie Fehler und Korrekturen zur deutschen Fassung an den Übersetzer.

Vielen Dank an Bert Bos für seine Hilfe bei der Übersetzung. Dank auch an Jens Meiert, Thomas Scholz, Stefan Schumacher und Lars Kasper für ihre Kommentare und Anmerkungen.

Warum enthält HTML keine Tags fürs das Styling? Warum kann man in SMIL keinen Text einfügen? Warum enthält CSS keine Befehle zur Transformation eines Dokuments? Warum, kurz gesagt, modularisiert das W3C seine Spezifikationen und warum auf genau diese Art und Weise? Dieser Essay versucht, zu erläutern, was die Entwickler in den verschiedenen W3C-Arbeitsgruppen meinen, wenn sie von Begriffen wie Effizienz, Wartbarkeit, Zugänglichkeit, Erweiterbarkeit, Erlernbarkeit, Einfachheit oder Langlebigkeit reden.

Anders als es vielleicht scheint, werden W3C-Spezifkationen vor allem für Menschen gestaltet, nicht für Computer. Sie denken vielleicht, dass <h1>, &egrave; und </ul> hässlich und unintuitiv wirken, aber was würden Sie denken, wenn wir statt dessen die Bezeichnungen A378, 30C9 und 38F0 gewählt hätten? Viele dieser Bezeichnungen stellen einen Kompromiss zwischen Lesbarkeit für den Menschen und Effizienz für den Computer dar. Einige sind lesbarer als andere, weil wir erwarten, dass mehr Leute sie lesen, wieder andere können eher kryptisch sein, weil wohl »nur« Programmierer sich den Quelltext ansehen werden.

Aber warum möchten wir überhaupt, dass Menschen Spezifikationen lesen? Der Grund ist, dass alle unsere Spezifikationen unvollständig sind. Weil Menschen – für gewöhnlich andere Personen als die ursprünglichen Entwickler – sie ergänzen sollen. Kein Computer der Welt wird eine neue Technologie von selbst erfinden. Jemand wird einen Blick auf HTML werfen, es verstehen und sich über eine »coole« neue Technologie Gedanken machen, die sich mit HTML ergänzt. Auf diesem Weg kommt das Web (und nicht nur das Web) voran.

Aus dem gleichen Grund versuchen wir, Spezifikationen in einem angemessenen Umfang zu verfassen. Sie müssen einen sinnvollen Teilbereich der Technologie beschreiben, aber nicht in derartigem Umfang, dass er für eine einzelne Person zu groß ist, um ihn verstehen zu können. Denn schließlich kommen neue Ideen für gewöhnlich von einzelnen Personen.

Die wohl bekannteste Richtlinie im Web ist die Trennung von Struktur und Styling. Dies hat zu der Trennung von HTML und CSS in zwei seperate Spezifikationen geführt. Und eine gute Idee war es dazu. Hinter diese Regel stecken Aspekte der Wartbarkeit und Implementierbarkeit, sie erleichtert die Suche nach dem richtigen Experten und vieles mehr, wie ich im weiteren Verlauf dieses Essays erläutern werde.

Das Web handelt von der menschlichen Kommunikation, aber dieser Essay macht hoffentlich klar, dass auch das Verfassen von Spezifikationen eine Form der menschlichen Kommunikation darstellt. Ein Wort fasst nahezu alle griffigen Schlagworte dieses Essays zusammen: Benutzbarkeit!