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Neuromarketing im Web

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Auto­rin: Mari­anne Radünz

Beim Auf­bau einer Web­seite geht es darum, die Auf­merk­sam­keit der Nut­zer zu erre­gen und eine natür­li­che Kom­mu­ni­ka­tion zwi­schen dem Unter­neh­men und dem Nut­zer zu ermög­li­chen. Erkennt­nisse aus dem Neu­ro­mar­ke­ting kön­nen dabei hel­fen. Der Besu­cher sollte mit Emo­tio­nen in Form von Bil­dern und Videos, inter­ak­ti­ver Bera­tung sowie Sto­ry­tel­ling gefes­selt wer­den. Nimmt man auf die vor­ge­stell­ten Vor­schläge bei der Erstel­lung Rück­sicht und beach­tet dabei auch die Benut­zer­freund­lich­keit, ste­hen die Chan­cen gut, die Response- und die Kon­ver­si­onrate zu steigern.

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Was ist Neuromarketing?

Neu­ro­mar­ke­ting ist noch ein sehr jun­ger und umstrit­te­ner Begriff. Neu­ro­mar­ke­ting ver­bin­det die Erkennt­nisse der Hirn­for­schung mit dem Mar­ke­ting, um mehr über die Kon­su­men­ten zu erfah­ren. Wiki­pe­dia defi­niert den Begriff »Neu­ro­mar­ke­ting« wie folgt:

»Neu­ro­mar­ke­ting ist ein inter­dis­zi­pli­nä­res For­schungs­ge­biet und rela­tiv neues und kon­tro­vers dis­ku­tier­tes Teil­ge­biet des Mar­ke­tings, in wel­chem psy­cho­lo­gi­sche und neuro-physiologische Erkennt­nisse für das Mar­ke­ting inter­pre­tiert wer­den. Es weist einen engen Bezug zur Neu­ro­öko­no­mie und zur Neurokommunikation.«

Neuromarketing-Anbieter sind meist spe­zi­elle Insti­tute und Uni­ver­si­tä­ten. Sie nut­zen neu­ro­wis­sen­schaft­li­che Tech­no­lo­gien wie FMRI (Func­tio­nal Magnet Reso­nance Ima­ging), MEG (Magne­to­re­so­nan­ceence­pha­lo­gra­fie) oder EEG (Elek­tro­en­ze­pha­lo­gra­fie), um bei den Pro­ban­den emo­tio­nale Reak­tio­nen auf Bil­der, Videos sowie Mar­ken und Pro­dukte zu tes­ten. Dar­über kann gemes­sen wer­den, wel­che Gehirn­re­gio­nen akti­viert und sti­mu­liert wer­den und ob die Pro­dukte und Anzei­gen Emo­tio­nen her­vor­ru­fen oder nicht. Mes­sun­gen die­ser Art sind auf­grund des tech­ni­schen Auf­wan­des und des pro­fes­sio­nel­len Per­so­nals sehr kostenintensiv.

Eine andere Mög­lich­keit aus der Neu­ro­wis­sen­schaft ist das »Eye Tracking«. Dabei zeich­nen spe­zi­ell ent­wi­ckelte Geräte und Sys­teme die Blick­be­we­gung und die Blick­länge auf und ana­ly­sie­ren diese. Diese For­schungs­me­thode ist beson­ders inter­es­sant für den Web­de­si­gn­be­reich. So kann bei­spiels­weise ver­deut­licht wer­den, wel­che Sei­ten­in­halte opti­miert wer­den müs­sen, um eine grö­ßere Auf­merk­sam­keit zu erlangen.

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Wel­che Erkennt­nisse konn­ten bis­her durch die For­schun­gen im Neu­ro­mar­ke­ting gewon­nen werden?

Das Ziel der meis­ten Betrei­ber einer Web­site ist es, den Besu­cher zum Lesen, Kau­fen oder Regis­trie­ren zu bewe­gen. Das ist eine große Her­aus­for­de­rung! Web­sites kön­nen weder sehen, noch hören, und daher auch keine mensch­li­che Mimik oder Ges­tik inter­pre­tie­ren. Dadurch weiß die Web­site nicht, was der Kunde denkt, und der Betrei­ber der Web­site schon gar nicht! Ein­zig dar­über, was der Benut­zer auf der Web­site tut und wohin er navi­giert, kann er Rück­schlüsse ziehen.

Mit­hilfe der klas­si­schen Markt­for­schung konn­ten bis­lang ledig­lich die bewuss­ten Ent­schei­dun­gen der Kon­su­men­ten erforscht wer­den. Die Neu­ro­wis­sen­schaft hin­ge­gen macht deut­lich, dass und wie auch die unbe­wuss­ten Ent­schei­dungs­pro­zesse des Kon­su­men­ten wich­tig für die Markt­for­schung sind.

Jeder weiß, dass nicht alle Ent­schei­dun­gen bewusst getrof­fen wer­den. Daher ist es nicht über­ra­schend, dass auch Kon­su­men­ten­ent­schei­dun­gen sel­ten voll­kom­men ratio­nal getrof­fen wer­den, ganz im Gegen­teil: Keine Ent­schei­dung des Kon­su­men­ten wird ohne Emo­tio­nen getrof­fen. Alles hängt von sei­ner Wahr­neh­mung ab: Sehen, Hören, Rie­chen, Schme­cken und Füh­len beein­flus­sen sich gegen­sei­tig. Hirn­for­schun­gen kön­nen diese emotional-kognitiven Ver­ar­bei­tungs­pro­zesse mes­sen und Auf­schluss geben über die Ver­ar­bei­tung von zeit­li­chen Abläu­fen und Wahr­neh­mungs­in­hal­ten der Probanden.

Das Modell der drei Gehirne

Susan Wein­schenk, Psy­cho­lo­gin und Auto­rin, stellt in Ihrem Buch »Neuro Web Design: What makes them click?« die Idee vor, dass der Mensch drei Gehirne hat.

  • Das »neue Gehirn« ist logisch und ratio­nal, trifft jedoch keine Ent­schei­dun­gen, son­dern ana­ly­siert, ver­gleicht und bewer­tet diese lediglich.
  • Das »emo­tio­nale Gehirn« rea­giert auf Bil­der, Geschich­ten und Gefühle. Die meis­ten Ent­schei­dun­gen wer­den laut Wein­schenk unbe­wusst mit dem emo­tio­na­len Gehirn getroffen.
  • Das »alte Gehirn« schenkt seine gesamte Auf­merk­sam­keit den exis­ten­zi­el­len The­men Essen, Sex oder Gefahr. Es schlägt Alarm bei der Gefahr, etwas zu ver­lie­ren, und bewegt den Benut­zer zum risi­ko­freien Han­deln, um sich vor Ver­lus­ten zu schützen.

Wein­schenk stellt fest, dass eine Web­site alle drei Gehirne anspre­chen sollte – falls es sinn­voll ist.

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Inwie­fern hel­fen die Erkennt­nisse des Neu­ro­mar­ke­tings bei der Erstel­lung einer Website?

Infor­ma­ti­ons­menge reduzieren

Die Wahr­neh­mung und Ver­ar­bei­tung von Infor­ma­tio­nen auf dem Bild­schirm ist auf­wän­di­ger und kom­ple­xer als bei Print­me­dien. Das führt dazu, dass Men­schen online weni­ger lesen. Zudem behal­ten die Leser durch­schnitt­lich nur einen gerin­gen Teil der gele­se­nen Informationen.

Tex­t­u­elle Inhalte auf Web­sites soll­ten mög­lichst kurz gefasst und gut struk­tu­riert sein. Der Usability-Experte Steve Krug emp­fiehlt: »Strei­chen Sie die Hälfte der Wör­ter auf jeder Seite und kür­zen Sie dann den Rest um die Hälfte!«

Zusätz­li­che kön­nen Bil­der, Videos und inter­ak­tive Ele­mente sinn­voll sein, wenn diese die Auf­nahme der Infor­ma­tion unter­stüt­zen und erleichtern.

Mit Fotos von Gesich­tern Emo­tio­nen wecken

Der Ein­satz von Fotos von Gesich­tern weckt posi­tive Emo­tio­nen, aller­dings nur dann, wenn sie »eine Geschichte erzäh­len« und nicht belie­big oder anonym wir­ken. Dabei ist auch die Blick­rich­tung des Gesichts ent­schei­dend: Der direkte Blick­kon­takt zum Betrach­ter wirkt deut­lich posi­ti­ver als ein Blick zur Seite. Benut­zer ver­su­chen dann aller­dings unbe­wusst, der Blick­rich­tung zu fol­gen, und das kön­nen Web­de­si­gner sich zunutze machen, um auf wich­tige Text­pas­sa­gen neben dem Bild auf­merk­sam zu machen.

Gutes Design schafft Vertrauen

Ver­trauen auf­zu­bauen ist gerade im Inter­net sehr wich­tig, weil der per­sön­li­che Kon­takt zum Kun­den fehlt. Jedoch wurde bei meh­re­ren Unter­su­chun­gen fest­ge­stellt, dass Web­sites, deren Design nicht anspre­chend ist, deut­lich weni­ger gele­sen wer­den als Web­sites mit gelun­ge­nem Design. Dabei ist eine intui­tiv ver­ständ­li­che Navi­ga­tion ebenso wich­tig wie die Farb­ge­bung der Web­site und die Les­bar­keit der Inhalte. Kurze Zei­len­län­gen, aus­rei­chend große Schrift und eine ange­nehme Farb­ge­bung erhö­hen die Les­bar­keit. Es soll­ten sowohl für die Schrift als auch für den Hin­ter­grund keine grell leuch­ten­den Far­ben ver­wen­det werden.

Benut­zer direkt ansprechen

Eine direkte Anspra­che des Besu­chers ist aus Sicht des Neu­ro­mar­ke­tings sehr erfolg­reich: »Sie kön­nen diese Ziele errei­chen, wenn Sie diese Schritte gehen.« Es geht um die Bedürf­nisse des Kun­den: Es wird ihm ver­deut­licht, wie er mit Hilfe des Unter­neh­mens des­sen Dienst­leis­tun­gen oder Pro­dukte für sei­nen per­sön­li­chen Vor­teil nut­zen kann.

Sto­ry­tel­ling

Um den Besu­cher Infor­ma­tio­nen näher zu brin­gen, kann es hilf­reich sein, diese in eine Geschichte ein­zu­bet­ten. Geschich­ten fes­seln nicht nur im Kin­des­al­ter, auch Erwach­sene kön­nen in Geschich­ten ver­packte Infor­ma­tion deut­lich bes­ser auf­neh­men und behal­ten als reine Fakten.

Künst­li­che Verknappung

Die Knapp­heit an Gütern und Dienst­leis­tun­gen sollte bei der Pro­dukt­prä­sen­ta­tion nicht feh­len, zum Bei­spiel »nur noch 3 auf Lager«. Zum einen ist es eine wich­tige Infor­ma­tion für den Kon­su­men­ten, zum ande­ren wird das alte Gehirn mit der Angst vor Ver­lus­ten angesprochen.

Wich­tige Infor­ma­tio­nen gehö­ren nach oben

Wich­tige Infor­ma­tio­nen soll­ten stets ohne zu scrol­len zugäng­lich sein, da viele Nut­zer sich häu­fig nicht die Mühe machen, nach unten zu scrol­len, um nach den not­we­ni­gen Infor­ma­tio­nen zu suchen. For­schun­gen im Bereich Eye Tracking haben erge­ben, dass die Besu­cher einer Web­seite zuerst nach links oben schauen, jeden­falls in unse­rem Kul­tur­kreis mit der Lese­rich­tung von links oben nach rechts unten.

Aus­wahl einschränken

In der heu­ti­gen Zeit genie­ßen wir Men­schen es, bei mög­lichst allen Gele­gen­hei­ten eine mög­lichst große Aus­wahl zu haben, etwa beim Ein­kau­fen. Jedoch führt eine (zu) große Aus­wahl häu­fig dazu, dass der Kon­su­ment sich nicht mehr ent­schei­den kann, was letzt­lich dazu führt, dass er demo­ti­viert wird und sich gar nicht ent­schei­det, aus Angst, eine fal­sche Ent­schei­dung zu tref­fen. Daher emp­fiehlt es sich zum einen, die Aus­wahl zu beschrän­ken, und zum ande­ren, den Nut­zer bei der Ent­schei­dungs­fin­dung zu unter­stüt­zen, etwa durch Bewer­tun­gen und Emp­feh­lun­gen andere Nutzer.

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Über die Autorin

Mari­anne Radünz ist Mit­ar­bei­te­rin von twago, einer Pro­jekt­ver­mitt­lungs­platt­form für Free­lan­cer und Unter­neh­men in den Berei­chen Web­de­sign, Pro­gram­mie­rung, Medien und Design.

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