permalink

13

Servicewüste Deutsche Bahn

schoenefahrtticket

Heute war ich auf der dmexco in Köln, einer Messe und Kon­fe­renz rund um das Thema digi­ta­les Mar­ke­ting. Dort konnte ich viel dar­über erfah­ren, wel­che Mühe ver­schie­dene Unter­neh­men unter­schied­li­cher Größe sich geben, um ihre Kun­den bei der Stange und bei Laune zu hal­ten, sie zufrie­den zu stel­len und lang­fris­tig an das Unter­neh­men zu binden.

Genau die gegen­tei­lige Erfah­rung machte ich heute bei der Deut­schen Bahn. Jeder ein­zelne Mit­ar­bei­ter, mit dem ich heute zu tun hatte, tat alles, um mich zu frus­trie­ren, zu belei­di­gen, für dumm zu ver­kau­fen oder hinzuhalten.

Gegen 17:15 Uhr stan­den mein Kol­lege und ich am Ser­vice­schal­ter Köln Messe/Deutz und frag­ten nach Fahr­kar­ten für die nächste Fahrt zum Dort­mun­der Haupt­bahn­hof. Der nächste Zug ging schon um 17:24 Uhr, Regio­nal­ex­press 29732, Umstei­gen in Wup­per­tal in den Regio­nal­ex­press 10429 nach Dort­mund. Die Fahrt kos­tete 16,00 €. Ich fahre nicht häu­fig Bahn und wenn, dann lange Stre­cken, bei denen ich mir den Fahr­aus­weis vor Fahrt­an­tritt aus­dru­cke und vom Zug­be­glei­ter (hieß das nicht mal »Schaff­ner«?) ent­wer­ten lasse. Unsere Fahr­kar­ten muss­ten wir vor Fahrt­be­ginn ent­wer­ten; lei­der funk­tio­nierte der Auto­mat an der Roll­treppe zu unse­rem Gleis nicht (ver­mut­lich auf­grund einer Stö­rung), und da der Regio­nal­ex­press bereits ein­fuhr, beeil­ten wir uns, um schnell zum Gleis zu kom­men und die Bahn noch zu errei­chen – zwar ohne ent­wer­te­ten Fahr­aus­weis, aber in der Über­zeu­gung, das im Regio­nal­ex­press nach­ho­len zu können.

Dort dau­erte es keine fünf Minu­ten, bis wir einer Zug­be­glei­te­rin von unse­rem Pro­blem berich­ten und sie baten, die Fahr­aus­weise für uns zu ent­wer­ten. Dar­auf­hin erklärte sie, sie könne das Ticket im Zug nicht ent­wer­ten, ganz im Gegen­teil, wir seien ohne gül­ti­gen Fahr­aus­weis als Schwarz­fah­rer hin­zu­ge­stie­gen und daher müsse sie den Vor­fall und unsere Daten auf­neh­men. Dazu muss­ten wir unsere Fahr- und Per­so­nal­aus­weise aus­hän­di­gen. Nach eini­gen Minu­ten erklärte sie, dass unsere Angabe, der Fahr­kar­ten­ent­wer­ter sei defekt, geprüft wer­den würde und wir zu einem spä­te­ren Zeit­punkt noch ein­mal die Gele­gen­heit hät­ten, dazu Stel­lung zu bezie­hen. Dar­über hin­aus bot sie uns an, einer Fahr­preis­nach­er­he­bung direkt bei ihr vor Ort nach­zu­kom­men, das heißt, die 16,00 € noch ein­mal zu bezah­len. Dies woll­ten wir zunächst nicht, denn schließ­lich hat­ten wir den Preis bereits bezahlt, aber die Zug­be­glei­te­rin ver­si­cherte uns, dass die Sache mit der erneu­ten Zah­lung erle­digt sei. Die nicht ent­wer­te­ten Fahr­aus­weise könn­ten wir ent­we­der bei ande­rer Gele­gen­heit ver­wen­den oder im Ser­vice­cen­ter in Dort­mund wie­der zurück geben und die 16,00 € zurück erhal­ten. Also zah­len wir den Betrag und erhiel­ten eine Quit­tung über eine Fahr­preis­nach­er­he­bung von 40,00 €, auf der 16,00 € als Teil­zah­lung und 24,00 € als noch zu zah­len­der Betrag aus­ge­wie­sen waren, zudem ein Stem­pel der Zug­be­glei­te­rin und die hand­schrift­li­che Anmer­kung »gül­tig als SFT«. Es seien keine Nach­for­de­run­gen zu erwar­ten, keine wei­tere Stel­lung­nahme, kein Schrift­ver­kehr, keine Prü­fung der Ange­le­gen­heit oder etwas Ähnli­ches – in eini­gen Wochen wür­den wir dies auch schrift­lich per Post erhalten.

Im Rei­se­cen­ter in Dort­mund stellte sich die Sache aller­dings ganz ande­res dar. Dort wurde ich zunächst falsch ver­stan­den und mein »Schö­ne­fahrt­ti­cket« beschrif­tet, gestem­pelt und ent­wer­tet (siehe das Bild ganz oben). Zu spät hatte ich die Gele­gen­heit, mein Anlie­gen erneut zu erklä­ren. Dar­auf­hin wurde mir gesagt, dass es nicht mög­lich sei, mir die 16,00 EUR zurück zu erstat­ten und das Ticket wie­der zurück zu neh­men, denn dabei han­dele es sich um einen Kulanz­fall(!) und die Rei­se­cen­ter­mit­ar­bei­ter seien nicht befugt, Kulanz­fälle zu behan­deln. Auch stimme nicht, was die Zug­be­glei­te­rin uns erklärt habe: Sie hätte den Fahr­schein ein­fach in der Bahn ent­wer­ten kön­nen. Die Fahr­preis­nach­er­he­bung sei unnö­tig gewe­sen, jetzt aller­dings nicht mehr rück­gän­gig zu machen. Die ein­zige Mög­lich­keit, das Geld zurück zu erhal­ten, sei es, sich an den Kun­den­dienst zu wen­den, zu errei­chen unter 01805 996633. Vor Ort könne man nichts für mich machen.

Zurück zuhause habe ich den Kun­den­dienst ange­ru­fen. Dort konnte mir aller­dings auch nicht sofort gehol­fen wer­den. Ich solle den Sach­ver­halt schrift­lich dar­le­gen und per Post zusam­men mit den Ori­gi­nal­do­ku­men­ten der DB Fern­ver­kehr AG zusen­den. Zudem sei es – anders als die Zug­be­glei­te­rin uns ver­si­chert hatte – sehr unwahr­schein­lich, dass die Rest­for­de­rung der DB Ver­trieb GmbH bezüg­lich der Fahr­preis­nach­er­he­bung in Höhe von 24,00 € nich­tig wäre. Das Gegen­teil sei der Fall, es sei damit zu rech­nen, dass sowohl mein Kol­lege als auch ich die Post, die wir in eini­gen Tagen oder Wochen erhal­ten wür­den, kei­nes­falls igno­rie­ren soll­ten. Die offe­nen For­de­run­gen seien aus Sicht der DB Ver­trieb GmbH berech­tigt und wür­den ein­ge­trie­ben wer­den. Aber ich könne die Sache ja per Tele­fo­nat oder schrift­lich klären…

Aus die­sem Weblog-Eintrag spricht meine tiefste Ver­är­ge­rung über die­sen Vor­fall und das abso­lute Unver­ständ­nis über so gegen­sätz­li­che Aus­sa­gen bei einem eigent­lich recht ein­fa­chen Sach­ver­halt. Den Auf­wand und die Ver­är­ge­rung in den letz­ten Stun­den finde ich beträcht­lich. Ich frage mich, wie die Bahn mich so als zufrie­de­nen Kun­den gewin­nen möchte. Als Schwarz­fah­rer beschul­digt zu wer­den finde ich ernied­ri­gend; die Auf­for­de­rung, den Fall aus Kulanz­grün­den beim Kun­den­dienst zu schil­dern, als unver­schämt und anma­ßend. Einen Dienst­leis­tungs­ge­dan­ken habe ich heute keine Sekunde emp­fun­den, weder beim schlecht gelaun­ten Mit­ar­bei­ter in Köln-Deutz oder bei der inkom­pe­ten­ten Zug­be­glei­te­rin, noch bei den Ser­vice­mit­ar­bei­tern in Dort­mund oder bei der Hot­line. Das ein­zige, was alle Mit­ar­bei­ter der Bahn ver­band, mit denen ich heute zu tun hatte, war die Ein­stel­lung, die sie ver­mit­tel­ten: Egal, was aus Ihrem Anlie­gen wird, bloß weg von mir oder mei­nem Schal­ter und bitte kein Stress für mich.

Ich bezweifle nach die­sen Erfah­run­gen, dass ein Brief und die Zusen­dung der Ori­gi­nal­do­ku­mente aus­reicht, um die 16,00 € erstat­tet zu bekom­men. Den­noch möchte ich mein Geld erstat­tet bekom­men! Und ich befürchte, dass ich keine Mög­lich­keit habe, die Zah­lung von wei­te­ren 24,00 € an die DB Ver­trieb GmbH, die für die Fahr­preis­nach­er­he­bun­gen zustän­dig ist, zu ver­mei­den. Mein Kol­lege hatte mehr Hoffung als ich und alle Doku­mente mitt­ler­weile ein­ge­sandt. Ich bin gespannt, was aus der Sache wird und werde gege­be­nen­falls in den Kom­men­ta­ren zu die­sem Arti­kel dar­über berichten.

Kategorien In eigener Sache Schlagwörter

13 Kommentare

  1. Wenn Du genü­gend Zeit und Ner­ven hast, dann halte durch. Nicht nur die 16 Euro wirst du zurück­be­kom­men, son­dern for­dere auch deine Kos­ten für die Gel­tend­ma­chung dei­nes Rechts zurück: Fahrt-, Post- und Schreibaufwand.

  2. Hehe, sehr amü­sant *Scha­den­freude*, aber sehr schön von Dir geschrie­ben ;)
    Bei der Bahn ver­arscht, über Tele­kom bei der Hot­line ange­ru­fen, jetzt soll auf dem Post­weg über die Deut­sche Post geklärt wer­den. Da hast Du ja gleich alle drei Service-Highlights des deut­schen Unter­neh­mer­tums gebündelt…

  3. Am liebs­ten würde ich einen Link von die­ser Seite an die Deut­sche Bahn schi­cken.
    Ich kenne diese Art von Frus­tra­tion wirk­lich sehr gut.
    Viel Erfolg !

  4. Schon erstaun­lich, wie wenig Ahnung oder Bereit­schaft zur Hilfe man­che Bahn-Mitarbeiter haben. Ich bin ja oft auf der Stre­cke und in die­sen Zügen unter­wegs. Von daher bekomme ich sol­che Fälle recht oft mit. Die Zug­be­glei­te­rin hätte ledig­lich wie bei Schwarz­fah­rern Eure Daten mit dem Hin­weis auf die Stö­rung des Ent­wer­ters auf­neh­men müs­sen. Zu zah­len wäre da erst­mal gar nix. Die Stö­rung würde dann geprüft wer­den. Nur falls sich die Stö­rung als gelo­gen her­aus­stellt (kommt oft genug vor), gibts Post mit der For­de­rung des "erhöh­ten Beför­de­rungs­ent­gel­tes". Dafür haben die dann ja die Per­so­nen­da­ten auf­geom­men. Bei wirk­li­chen defek­ten Gerä­ten sollte die Bahn eigent­lich auch froh sein, daß man sie über­haupt dar­auf hin­weisst. Ich denke mal, ein anwalt­li­ches Schrei­ben an die Bahn hilft bei der Klä­rung und der Beschleu­ni­gung der Rück­zah­lung enorm.
    Als ziem­li­che Frech­heit emp­finde ich immer, daß man von Mit­ar­bei­tern in Ser­vice­zen­tren eines Unter­neh­mens - und dazu gehö­ren auch die Ver­käu­fer im Rei­se­zen­trum -, auf­ge­for­dert wird, die (teil­weise über­teu­erte) Service-Hotline des sel­ben Unter­neh­mens anzu­ru­fen und dort die Pro­bleme zu klä­ren. Das Abwim­meln von Kun­den mit Anlie­gen außer­halb des ein­fa­chen Ver­kaufs gehört in vie­len Unter­neh­men lei­der immer noch zum Standardprozedere.

  5. "Mein" per­sön­li­cher DB-Sorgentelefon (aka Kun­den­dia­log) Mit­ar­bei­ter hat mich soeben ange­ru­fen, nach­dem ich ihm ja ges­tern die Fahr­kar­ten foto­gra­fiert und zuge­schickt habe, beglei­tet von einer recht aus­führ­li­chen Mail, die den Grad mei­ner Ver­är­ge­rung denke ich ganz gut aus­drückte.
    Ich darf ihm jetzt die Ori­gi­nal­fahr­karte aus Köln-Deutz nach Müns­ter zusen­den, er erstat­tet mir dann die 16 €. Die Prü­fung ob der Auto­mat wirk­lich defekt war bleibt anhän­gig, das geht "über Baden Baden"… Von Ent­schä­di­gung für meine Mühen und Porto war keine Rede.
    Gleich mal in den Par­tei­pro­gram­men schauen wer für eine Voll­pri­va­ti­sie­rung der Bahn ist, viel­leicht ver­jagt man so das Beam­ten­tum in die­ser Ser­vice­wüste Deut­sche Bahn AG!

  6. Bin grade durch Zufall auf den Blog gera­ten, aber Geschich­ten wie diese habe ich bereits mehr­fach hin­ter mir. Und das als Aboti­cket­be­sit­ze­rin auf dem Weg von und zur Arbeit.

    So lag schon ein paar mal mein Port­mon­naie mit Aus­weis zuhause, das namens­ge­bun­dene Ticket hatte ich aber dabei. Lei­der ist es so aber nicht gül­tig. Wie es aus­sieht, gibt es auf den Hand­ge­rä­ten ent­we­der keine Option "Namens­ge­bun­de­nes Aboti­cket ohne Licht­bild­aus­weis" oder die Zug­be­glei­ter an die ich gera­ten bin sind all­le­samt unfä­hig, die­sen zu fin­den.
    Und so konnte ich mein Ticket mit­samt Aus­weis nicht im Ser­vice­cen­ter vor­zei­gen (wie es bei den hie­si­gen Stadt­wer­ken ohne Pro­bleme mög­lich ist!) son­dern musste den Sach­ver­halt jedes Mal schrift­lich klä­ren, so dass sich die "Fahr­preis­nach­er­he­bung" nach etwa einem hal­ben Jahr Bear­bei­tung ledig­lich auf die Bear­bei­tungs­ge­bühr von 5 € (immer noch Wucher..) belief.

    Was mich das ganze inzwi­schen gelehrt hat, ist dem Zug­be­glei­ter kein Wort mehr zu glau­ben, den Wisch, den man in die Hand gedrückt bekommt, sehr genau zu lesen und sofort Zeter und Mor­dio zu ver­an­stal­ten, wenn man kei­nen bekommt. Denn ohne hat man keine FN-Nummer ohne die die ganze Ange­le­gen­heit gar nicht geklärt wer­den kann.
    Sollte man dann doch wie­der schrift­lich (übri­gens über http://​www​.db​-fahr​preis​nach​er​he​bung​.de/ auch im Netz mög­lich) mit der Bahn kor­re­spon­die­ren müs­sen, sollte man sich auf lange War­te­zei­ten einstellen.

  7. Ich wurde auch schon beschul­digt schwarz gefah­ren zu sein, ich war nach einer Party ein­ge­schla­fen. Ich hab ein­fach nichts bezahlt, nur ne Beschwer­de­mail geschrie­ben, nach 2-3 Mona­ten kam ein Brief, dass es rei­chen würde, wenn ich jetzt 5 Euro über­weise, weil sie nicht alles so gut bear­bei­ten konn­ten. Ende vom Lied: der Brief ist auch schon wie­der 4 Monate her und falls ich vor Gericht kom­men sollte ist es ver­jährt… beim nächs­ten mal ein­fach keine Per­so­na­lien rausgeben.

  8. Das Stem­peln schon auf dem Bahn­steig emp­finde ich auch als Zumu­tung. Den Fall hatte ich kürz­lich auch. In einer frem­den Stadt galt irgend­ein blö­der Regional-Verkehrsverbund, für den man dann eine andere Karte kau­fen muss (aller­dings auch am nor­ma­len DB-Automaten) und die dann anders als nor­male Zug­ti­ckets vor­her sel­ber stem­peln muss. Man fährt dann aber ganz nor­mal mit der Regio­nal­bahn. Zuge­ge­ben, auf dem Ticket steht drauf, dass man es stem­peln muss, aber wer guckt schon auf das Ticket, wenn man es kauft wie sonst auch. Der Zug­be­glei­ter sagte dann auch direkt, dass er das nicht stem­peln will. Wenigs­tens blie­ben mir die 40 Euro erspart.

    Dass sich durch Pri­va­tie­rung da irgend­was tut, halte ich für unwahr­schein­lich. Eher wer­den die Anbin­dun­gen schlech­ter, weil sich bestimmte Stre­cken nicht mehr loh­nen. Das sorgt also m.E. eher für mehr Frust.

  9. Nach­trag: Ich habe mitt­ler­weile Post vom Bear­bei­ter mei­ner Sache erhal­ten, die 16€ will er mir erstat­ten, dazu bekam ich einen 10€ Rei­se­gut­schein per Post zuge­sen­det. Gül­tig­keit: 1 Jahr. Ich glaub da wird sich bald jemand in mei­nem Umfeld zum Geburts­tag über einen Gut­schein freuen…

  10. Das glei­che Geschichte war auch bei mir: Auto­ma­ten­stö­rung, dann Fahr­preis­nach­er­he­bung, sofort habe ich einen Brief geschrie­ben und ich habe erst nach 7 Monate einen Ant­wort bekom­men! Unglaublich!

  11. Das kommt mir alles seee­ehr bekannt vor.….. ich habe online Ein­spruch erho­ben und bis­her noch nichts gehört. Das war vor ca. einem Monat. Ich bin gespannt was dar­aus wird! Ich werde garan­tiert keine 40€ für die Inkom­pe­tenz und den man­geln­den Ser­vice der DB zah­len. Das habe ich denen auch genau so schrift­lich mit­ge­teilt. Dabei sollte grade die Bahn mit ihren Wucher-Preisen und der 90%igen Unpükt­lich­keit doch alles tun, um die Kund­schaft bei Laune zu hal­ten. Unglaublich!

Hinterlasse eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.

*