Die Bedeutung effektiver und smarter Ziele

Jedes Projekt und jede Kampagne beginnt damit, dass die Beteiligten ein gemeinsames Ziel definieren und Maßnahmen beschließen, um es zu erreichen. Nur wenn den Beteiligten das Ziel klar ist, können sie sich auf genau die Maßnahmen verständigen, die dort hin führen. Erst ein Ziel ermöglicht es zu beurteilen, ob Tätigkeiten wirtschaftlich, effektiv und erfolgreich sind.

Alice lernte diese Lektionen in Lewis Carrolls »Alice’s Abenteuer im Wunderland«, als sie die Grinse-Katze im Wald wieder traf.

Die Katze grinste nur, als sie Alice sah. »Sie sieht gutmüthig aus,« dachte diese; aber doch hatte sie sehr lange Krallen und eine Menge Zähne. Alice fühlte wohl, daß sie sie rücksichtsvoll behandeln müsse.

»Grinse-Mies,« fing sie etwas ängstlich an, da sie nicht wußte, ob ihr der Name gefallen würde: jedoch grinste sie noch etwas breiter. »Schön, so weit gefällt es ihr,« dachte Alice und sprach weiter: »willst du mir wohl sagen, wenn ich bitten darf, welchen Weg ich hier nehmen muß?«

»Das hängt zum guten Theil davon ab, wohin du gehen willst,« sagte die Katze.

»Es kommt mir nicht darauf an, wohin —« sagte Alice.

»Dann kommt es auch nicht darauf an, welchen Weg du nimmst,« sagte die Katze.

»— wenn ich nur irgendwo hinkomme,« fügte Alice als Erklärung hinzu.

»O, das wirst du ganz gewiß,« sagte die Katze, »wenn du nur lange genug gehest.«

In ihrer Dissertation an der University of Massachusetts aus dem Jahr 1988 untersuchte Jesse Stoner den Einfluss von Visionen, einer Form von Zielen, auf die Leistung eines Unternehmens. Sie sammelte dazu Informationen von den Teammitgliedern von mehr als 500 Führungskräften und kam zu folgendem Ergebnis:

  • Gute Führungskräfte mit ausgeprägt visionärem Führungsstil hatten leistungsfähige Teams,
  • gute Führungskräfte ohne Visionen hatten Teams mit durchschnittlicher Leistung und
  • schwache Führungskräfte ohne Visionen hatten leistungsschwache Teams.

Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Das Fehlen klarer Ziele führt dazu, dass Führungskräfte und deren Mitarbeiter mit unterschiedlichen Prioritäten, Doppelbelastungen und Fehlstarts zu kämpfen haben. Jeder Richtungswechsel gleicht dabei einem Neustart unter erschwerten Bedingungen. In solchen Zusammenhängen wird häufig Seneca zitiert, ein Philosoph und Staatsmann, der zu Beginn unserer Zeitrechnung in Rom gelebt hat: »Für ein Schiff, das seinen Hafen nicht kennt, weht kein Wind günstig.« Gibt es kein Ziel, so ist Steuern überflüssig; das gilt für Schiffe auf offener See wie für Teams, Abteilungen, Geschäftsbereiche und ganze Unternehmen.

Wenn das Ziel jedoch klar ist, sieht die Situation ganz anders aus: Ein Ziel ermöglicht es Ihnen, von sich aus aktiv zu werden und auf etwas zuzusteuern, das Sie anstreben, anstatt nur zu reagieren und dabei womöglich – ohne es zu merken – von Ziel wegzutreiben. Sie können beurteilen, ob Aufgaben, die an Sie heran getragen werden, sinnvoll sind im Sinne des übergeordneten Ziels. Sie können besser beurteilen, wie Sie sich einbringen können, um dabei zu helfen, das Schiff in die richtige Richtung zu steuern. Ein klares Ziel sorgt für bessere Zusammenarbeit, höhere Motivation und eine auf alle Schultern verteilte Verantwortung für den gemeinsamen Erfolg.

Die Bedeutung von Zielen lässt sich übrigens auf allen Ebenen und in allen Bereichen beobachten. Im Idealfall gibt das Unternehmen, für das Sie arbeiten, klare Ziele vor, aber wenn nicht, dann können Sie für Ihre Abteilung oder Ihr Team Ziele definieren, egal auf welcher Organisationsebene Sie sich befinden. Wenn Sie selbstständig arbeiten, können klare Ziele hilfreich sein, um die richtigen Prioritäten zu setzen bei Kunden, Projekten und Fortbildungen.

Nur smarte Ziele sind gute Ziele

Schon seit vielen Jahren ist es im Projektmanagement üblich, Ziele smart zu formulieren. »Smart« ist in diesem Zusammenhang ein Akronym (»S.M.A.R.T.«, englisch: »specific measurable achievable relevant timely«), das sich wie folgt ins Deutsche übersetzen lässt: Ziele sollten spezifisch, messbar, anspruchsvoll (auch: attraktiv), realistisch und terminiert sein. Nur dann sind es smarte Ziele, d.h. relevante, klare und überprüfbare Ziele.

Spezifisch
Je klarer Sie das Ziel formulieren, desto besser. Diplomatische Formulierungen, die auf Kosten der Präzision allen Beteiligten gerecht werden (oder anders gesagt: niemanden mehr stören), sind fehl am Platz. Das Ziel muss deutlich und unmissverständlich sein.
Messbar
Was meinen Sie, ist folgendes Ziel messbar? »Ich möchte 2010 einige Artikel auf meiner Website veröffentlichen.« Angenommen, ich veröffentliche in diesem Jahr an dieser Stelle zwei Artikel. Sind das »einige«? Oder müssen es drei sein? Oder fünf? Zielformulierungen, die anschließend zur Diskussion einladen, sind schlechte Formulierungen. Besser ist es stets, konkrete Zahlen zu nennen: »Ich möchte 2010 mindestens zehn Artikel auf meiner Website veröffentlichen.« Ende des Jahres kann ich eindeutig überprüfen, ob ich das Ziel erreicht habe oder nicht.
Anspruchsvoll
Wenn ich weiß, dass ich locker zehn Artikel in diesem Jahr schreiben kann, dann ist es kein anspruchsvolles Ziel zu sagen: »Ich möchte 2010 drei Artikel auf meiner Website veröffentlichen.« Ziele müssen motivierend wirken. Aus diesem Grund ist die bisher gewählte Formulierung auch nicht perfekt. Besser (attraktiver) ist es, bei der Zielformulierung bereits den beabsichtigten Endzustand so zu beschreiben, als ob er bereits eingetreten wäre: »Ich habe 2010 zehn Artikel auf meiner Website veröffentlicht.« Das ist wirklich keine Haarspalterei, probieren Sie es aus! Es macht mehr Spaß, Ziele auf diese Art zu formulieren, da sie einem eine Vorstellung des Gefühls geben, es bereits geschafft zu haben.
Realistisch
Es bringt nichts, Ziele festzulegen, deren Erreichung sie selbst aktiv überhaupt nicht beeinflussen können. Das Ziel: »Ich habe 2010 die Weltherrschaft übernommen.« ist noch unrealistischer als »Ich habe 2010 einhundert Artikel auf meiner Website veröffentlicht.«, aber beides sind Formulierungen, die bereits im Keim demotivieren und jeglichen Handlungstrieb zerstören. Hinzu kommt, dass es keine Zielkonflikte geben darf, verschiedenen Ziele sich also nicht gegenseitig widersprechen sollten.
Terminiert
Wenn Sie nicht definieren, bis wann Sie ein Ziel erreichen wollen, dann können Sie niemals scheitern, denn die Zielerreichung ist ja noch in Zukunft möglich. Jede Zielformulierung enthält daher einen Termin, zu dem das Ziel erreicht sein muss.

Unterschied zwischen Zielen und Visionen

Nicht alle Ziele müssen smart formuliert sein. Dazu gehören Ziele auf oberen Zielebenen, etwa in Leitbildern oder strategische Ziele, ebenso zum Teil Ziele im Rahmen der Personalentwicklung. Interessant ist in diesem Zusammenhang eine Aussage aus dem Buch »Balanced Scorecard umsetzen«, herausgegeben von Horváth & Partners:

»Werden Ziele nur als Messgrößen-Zielwert-Kombinationen vorgegeben, so besteht die Gefahr, dass die Frage nach dem Warum nicht hinreichend geklärt ist. (…) Wer seine Ziele nicht in Worte fassen kann, sondern gleich Messgrößen und Zielwerte auflistet, wird nur schwerlich Herz und Verstand der Mitarbeiter erreichen.«

Dass nicht alle Ziele smart sein müssen, liegt daran, dass wir im Deutschen keinen Unterschied machen, wo in der englischen Sprache differenziert wird zwischen aim, goal, objective und target. Dabei ist target die unterste und konkreteste Zielebene, und nur Ziele dieser Ebene sollten smart formuliert sein. Um zu unterscheiden zwischen Zielen, die smart formuliert werden sollten, und solchen, bei denen das nicht sinnvoll ist, lohnt es sich auch im Deutschen zu unterscheiden zwischen Zielen und Visionen. Formulieren Sie Ziele smart, Visionen hingegen nicht.

1 Antwort
  1. nasumi
    nasumi says:

    Sehr guter Artikel, ich stimme dir in allen Punkte zu. Es ist gut sich das am Anfang des (Geschäfts)Jahres nochmals vor Augen zu halten. Gerade der Punkt der realistischen Ziele empfinde ich als extrem wichtig. Ist der „Projektfrust“ erst mal da, weil man z.B. keine Chance hat den Termin einzuhalten, wird das Projekt sehr schnell zur Qual.

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