permalink

15

Rückblick auf das WordCamp 2010 in Berlin

4757260950_8f8fa985cf

Ber­lin ist immer eine Reise wert. Ich ver­bringe jedes Jahr etwa zwei oder drei Wochen­en­den in der Haupt­stadt, manch­mal nur als »Tou­rist«, meis­tens aber als Besu­cher von Kon­gres­sen oder Kon­fe­ren­zen – so auch die­ses Wochen­ende, an dem im Ber­li­ner Beta­haus das dritte Word­Camp stattfand.

Das letzte Word­Camp, damals noch im Intershop-Tower in Jena, habe ich noch als WordPress-Interessierter besucht, der außer sei­nem eigene Blog keine wei­te­ren Pro­jekte mit Word­Press unter­hielt. Dazu war Word­Press zu unaus­ge­reift. Mitt­ler­weile aller­dings ist Word­Press ver­dammt gut gewor­den! Frü­her habe ich mich gefragt: Kann ich Word­Press in die­sem Pro­jekt ein­set­zen? Heute denke ich mir: Gibt es irgend­was, was dage­gen spre­chen könnte, Word­Press in die­sem Pro­jekt ein­zu­set­zen? Es ist lange her, dass die Ant­wort »Ja« lau­tete. Word­Press ist erwach­sen gewor­den, ein ernst zu neh­men­des Web-Content-Management-System, für das sich eine immer grö­ßer wer­dende Com­mu­nity engan­giert, auch oder gerade in Deutsch­land. Ein Teil die­ser Com­mu­nity hat sich am Sams­tag getrof­fen, um zusam­men eine Unkon­fe­renz mit dem Schwer­punkt Word­Press abzu­hal­ten – das Word­Camp. Mitt­ler­weile zum drit­ten Mal, aber zum ers­ten Mal in Berlin.

Einige der rund 200 Teil­neh­mer sind bereits am Frei­tag ange­reist und hat­ten am Abend im Brau­haus Mitte am Alex­an­der­platz bei def­ti­ger Ber­li­ner Küche als Grund­lage für das leckere, selbst­ge­braute Bier die Gele­gen­heit, sich ken­nen zu ler­nen. Die­ses vor­abend­li­che Tref­fen gehört mitt­ler­weile zur Tra­di­tion des Word­Camps. Für alle ande­ren begann das Word­Camp am Sams­tag ab 08:30 Uhr – um 10:00 Uhr began­nen die ers­ten Sessions.

Zum Sei­ten­an­fang

Ses­si­ons

Viele Teil­neh­mer waren mit den ange­bo­te­nen Ses­si­ons nicht zufrie­den und beschwer­ten sich über die geringe The­men­viel­falt, das nied­rige Niveau oder schlechte Ses­si­ons, nach­zu­le­sen bei Twit­ter (#wcb10) oder in eini­gen Berich­ten, unter ande­rem von Tho­mas Lan­gel oder Kai Thrun.

Ich halte es bei Kon­fe­ren­zen so, dass ich mich im Vor­feld über die Vor­tra­gen­den infor­miere – kom­pe­tente Leute hal­ten zumeist auch gute Vor­träge. Auf diese Weise kann ich ganz gut ein­schät­zen, wel­che Ses­si­ons sich loh­nen könn­ten und wel­che nicht. So war das auch beim Word­Camp, auf dem – diese Ansicht muss ich lei­der tei­len – die Aus­wahl an inter­es­san­ten Ses­si­ons lei­der eher »über­sicht­lich« war.

Ich habe die fol­gen­den Ses­sion besucht.

Performance-Optimierung von (WordPress-)Websites

Vla­di­mir Simo­vic ist auf­grund sei­ner Bücher, Fach­ar­ti­kel und vor allem seine Web­site perun​.net einer der bekann­tes­ten deut­schen WordPress-Experten. Dar­über hin­aus ist er ein sehr ange­neh­mer, freund­li­cher und humor­vol­ler Typ, wovon sich jeder bereits in der letz­ten Technikwürze-Folge über­zeu­gen konnte.

In sei­ner Ses­sion zeigte Vla­di­mir die häu­figs­ten Performance-Bremsen und ein­fa­che, aber wir­kungs­volle Stra­te­gien, sie zu umge­hen. Tat­säch­lich ist alles, was Vla­di­mir zeigte, ein­fach umzu­set­zen: Wahl der rich­ti­gen Plugins, Opti­mie­rung von Gra­fi­ken, Redu­zie­rung von HTTP-Requests, Kom­pri­mie­rung und Caching. Nicht viel Neues, aber gut zusam­men­ge­fasst und kom­pe­tent vor­ge­stellt. Danke, Vlad!

Bar­rie­re­frei­heit in Word­Press optimieren

Die WordPress-Entwickler haben schon immer Wert dar­auf gelegt, aktu­elle Stan­dards zu inte­grie­ren, seman­ti­sche Ele­mente kor­rekt zu ver­wen­den und aktu­elle Trends auf­zu­grei­fen. So geht Word­Press mit dem neuen Stan­dard­theme Twen­ty­Ten die ers­ten Schritte in Rich­tung HTML5 und sorgt mit zag­haf­tem Ein­satz von WAI ARIA für ein wenig mehr Barrierefreiheit.

Syl­via Egger warf einen Blick unter die Haube und demons­trierte die Stär­ken und Schwä­chen des neuen Stan­dard­the­mes in Bezug auf Bar­rie­re­frei­heit. Fazit: Das Theme ist ähnlich wie seine Vor­gän­ger gut, aber noch weit von bar­rie­re­frei ent­fernt. Als Haupt­kri­tik­punkte hän­gen geblie­ben sind bei mir vor allem die man­geln­den Kon­traste, der kaum erkenn­bare Tas­ta­tur­fo­kus und Ski­plinks, die für Tas­ta­tur­nut­zer nicht zugäng­lich sind. Klasse Ses­sion, sehr inter­es­sant, sehr dyna­misch und leb­haft vorgetragen.

Word­Press als CMS – aber rich­tig? Arbei­ten in der Cloud

Frank Bültge und Olaf Schmitz, zwei der Orga­ni­sa­to­ren des Word­Camps, plau­der­ten in die­ser Ses­sion aus dem Näh­käst­chen. In der als Work­shop kon­zi­pier­ten Ses­sion erlaub­ten sie uns einen Ein­blick in ihre Arbeit mit Word­Press, beant­wor­ten Fra­gen und gaben Tipps. Frank hat wie bereits bei Tech­nik­würze seine Skep­sis über den Gebrauch von Plugins dar­ge­stellt, die häu­fig zwar die beque­mere, aber ich Bezug auf Per­for­mance und Sicher­heit schlech­tere Lösung sind im Ver­gleich zu eige­nen Lösun­gen mit WordPress-Bordmitteln. An eini­gen Stel­len konnte er anknüp­fen an Vla­di­mirs Ses­sion vom Vor­mit­tag; Per­for­mance ist bei Word­Press ein gro­ßes Thema. Kom­pli­ment an Frank und Olaf – eure Kun­den sind bei euch kom­pe­ten­ten und pro­fes­sio­nel­len Leu­ten her­vor­ra­gend aufgehoben!

WM-Viertelfinale Deutsch­land gegen Argentinien

Ein Klas­si­ker des Welt­fuß­balls, das Duell der bei­den ehe­ma­li­gen Welt­meis­ter, Deutsch­lands jun­ges, begeis­tern­des Team gegen Mara­do­nas Wun­der­sturm – keine Unkon­fe­renz die­ser Welt kann inter­es­san­ter sein als ein sol­ches WM-Viertelfinale! Aus die­sem Grund haben die Orga­ni­sa­to­ren das Word­Camp auch geschickt um das Spiel herum geplant. Die Ses­si­ons gin­gen bis 16:00 Uhr und erst nach dem Spiel ging es wei­ter mit Work­shops. In der Zeit dazwi­schen: Fuß­ball, Brat­wurst und Bier im Innen­hof des Beta­hau­ses. Auf­grund des begeis­tern­den 4:0 die mit Abstand beste Ses­sion aller Zei­ten, bes­ser noch als die Chatroulette-Session auf dem BarCampRuhr. ;-)

Ich habe zudem selbst eine Ses­sion über CSS Media Que­ries gehal­ten – natür­lich vor dem Spiel.

Zum Sei­ten­an­fang

Zu wenig Unkonferenz

Das Word­Camp war sehr gut orga­ni­siert. Es war genü­gend, aber nicht zu viel Raum vor­han­den, es gab Obst, Gebäck, Kaf­fee, Was­ser und Apfel­saft­schorle kos­ten­los und viele wei­tere Getränke und Snacks gegen Bezah­lung an der Bar. Wäh­rend des WM-Spiels wurde drau­ßen gegrillt. Auch das WLAN hielt, wenn­gleich es zwi­schen­zeit­lich weni­ger ver­füg­bare IP-Adressen als onlin­e­fä­hige Geräte im Haus gab.

Beta­haus? Höchs­tens eine frühe Alpha

Den­noch fand ich das Word­Camp nicht so gelun­gen wie das Bar­Cam­pRuhr in Essen, das ich vor eini­ger Zeit besucht und über das ich an die­ser Stelle berich­tet habe. Aller­dings lag das nicht an der Orga­ni­sa­tion und schon gar nicht an den Leu­ten, eher an der Loca­tion. Das Beta­haus ist kon­zep­tio­nell ähnlich offen, lie­bens­wert chao­tisch, locker und rus­ti­kal wie das Unper­fekt­haus, aber nun mal weit weni­ger per­fekt für die Durch­füh­rung einer Unkon­fe­renz. Das Beta­haus strahlt nicht so viel Charme aus; es ist ziem­lich abge­wrackt; die Räume, in denen die Ses­si­ons statt­fan­den, waren zum gro­ßen Teil leer und unge­müt­lich; die Wege waren zu weit; die Akkus­tik in eini­gen Räu­men inak­zep­ta­bel schlecht. Hinzu kommt, dass die Tem­pe­ra­tur fast uner­träg­lich hoch war, aber nun gut, dafür kann nie­mand etwas. ;-)

Warum nicht zwei Tage?

Ich bin ein Freund von mehr­tä­ti­gen Kon­fe­ren­zen, und ich habe das Gefühl, dass eine Aus­le­gung auf zwei Tage auch die­sem Word­Camp aus meh­re­ren Grün­den gut getan hätte.

Ich habe die Vor­stel­lungs­runde ver­misst, die sonst dafür sorgt, dass man einige bekannte Namen direkt zu Beginn der Unkon­fe­renz Gesich­tern zuord­nen konnte.

Mir fehlte die Ses­si­on­pla­nung, statt des­sen konn­ten im Vor­feld Ses­si­ons auf der WordCamp-Website ange­mel­det wer­den, und jeder Teil­neh­mer konnte sein Inter­esse an der Ses­sion dadurch bekannt geben, dass er der ent­spre­chen­den Gruppe beige­tre­ten ist – ein umständ­li­ches Ver­fah­ren, unzu­ver­läs­sig und zudem über­flüs­sig, wenn man mehr Zeit zur Ver­fü­gung hat.

Die ange­mel­de­ten Ses­sion wur­den bereits im Vor­feld auf einem Ses­si­on­plan ange­ord­net, des­sen Ver­bind­lich­keit offen­bar über­schätzt wurde. Anders kann ich mir die vehe­mente Kri­tik daran, dass ich meine Ses­sion auf­grund mehr­fa­cher Nach­frage von 10:00 Uhr auf 11:00 Uhr ver­legt habe, nicht erklä­ren. Wo bleibt das die Spon­ta­nei­tät, die eine Unkon­fe­renz ausmacht?

Zum Sei­ten­an­fang

Alte und neue Bekannte

Das dritte Word­Camp hatte einige Schwä­chen, aber hey, es war eine Unkon­fe­renz mit inter­es­san­ten Leu­ten zu einem span­nen­den Thema! Wer lie­ber meckern möchte, kann es viel­leicht auch ein­fach so sehen: Ihr habt 10,00 € bezahlt, dafür gab es ein T-Shirt, eine Tra­ge­ta­sche, Möh­ren, Obst, Gebäck, Bre­zeln und Eis … und doch sicher das eine oder andere gute Gespräch, diese oder jene gute Session.

Unkon­fe­ren­zen emp­finde ich stets als inspi­rie­rend und moti­vie­rend, und das war die­ses Mal nicht ande­res. Das lag daran, dass ein Ele­ment einer jeden Kon­fe­renz auch beim Word­Camp nicht zu kurz kam: das »Net­wor­king«. Neben Vla­di­mir habe ich auch Tho­mas Scholz erst­ma­lig per­sön­lich getrof­fen, was wirk­lich bemer­kens­wert kurios ist, da wir schon vor eini­gen Jah­ren zusam­men an einem Pro­jekt gear­bei­tet haben und Tho­mas einige Texte zu mei­ner Ein­füh­rung in XHTML, CSS und Web­de­sign beige­steu­ert hat. Gefreut habe ich nicht auch, Jens Grocht­dreis und Dirk Jesse mal wie­der zu sehen. Das gilt auch für Frank Bültge und Michael Preuß, des­sen Ses­sion über sein kom­mer­zi­el­les WordPress-Framework »Xtreme One« ich lei­der ver­passt habe. Mit Chris­toph Bach habe ich das 2:0, 3:0 und 4.0 der deut­schen Mann­schaft bejubelt.

(Foto von Kars­ten Kneese)

15 Kommentare

  1. Naja das Ses­si­onni­veau hängt auch immer damit zusam­men, was man selbst auf dem jewei­li­gen Thema bereits mit­bringt. Wie ich schon schrieb, viel­leicht und da habe ich mit mei­nem Beglei­ter auch noch drü­ber debat­tiert, hat man sich selbst falsch eingeschätzt.

    Ich denke, bei 200 Leu­ten wird man es ohne­hin nicht jedem Recht machen. Dies­mal habe ich eben in die Röhre geschaut - manch­mal ist man der Baum, ein ande­res Mal eben der Hund ;-)

  2. Pingback: WordCamp 2010 – ein Rückblick – bueltge.de [by:ltge.de]

  3. Pingback: WordCamp 2010 Berlin: kleiner Rückblick | perun.net

  4. Zwei Tage hätte ich auch gut gefun­den. Dann hätte ich auch selbst noch eine Ses­sion gehal­ten. Und für Gesprä­che neben­her wäre sicher auch mehr Zeit gewe­sen. Viel­leicht beim nächs­ten Mal?

    Jeden­falls habe ich mich gefreut, dich end­lich mal zu treffen.

  5. Pingback: Warum WordPress? – Blogprojekt-Podcast #15 > Podcast > WordPress, News, Podcast, Warum WordPress, Vorteile, Nachteile

  6. Pingback: Rückblick: WordCamp 2010 | Webseiten-Infos.de

Hinterlasse eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.

*